Noch ein Flop

 

Sehr lustich! So komisch, daß ich nachbohrte. Die Spannung, ob Osho seine Sätze noch fertichkriegt oda vorher einschläft, erklärt sich aus den 60mg Valium, die er u.a. jeden Tag zu sich nahm. Auch hat es die Bewegung geschafft, den ersten erfolgreichen Bioterror-Angriff in den USA durchgeführt zu haben. Da können Zitate wie dieses nicht mehr überraschen: Hitler “killed people in the most up-to-date gas chambers, where you don’t take much time. Thousands of people can be put in a gas chamber, and just a switch is pressed … Within a second, you evaporate. The chimneys of the factory start taking you, the smoke – you can call it holy smoke – and this seems to be a direct way towards God.” Seine von Interpol verfolgte Geschäfts-Führerin Ma Anand Sheela blieb da nicht zurück: “How do you get 4 Germans and 500 Jews in a Volkswagen? Simple; 2 Germans in the front, 2 Germans in the back, and 500 Jews in the ashtray.”
Man soll sich ja nich ausschließlich Kontemplation und Kreativität widmen, und die finanziellen Angelegenheiten seiner Sekretärin überlassen. Das geht oft schief. Interessant ist die Liste der deutschen Jünger. Swami Peter Sloterdijk hab ich wohl auch intellektuell überschätzt.

Zier-Eremiten

Familie-1980

Auf meiner Suche nach Seelen-Verwandtem stieß ich auch auf einen Beruf, der mir bisher unbekannt war: Der Schmuck- oder auch Zier-Eremit verdingte sich meist auf 7 Jahre in einem herrschaftlichen Park, wo er von Besuchern bestaunt werden konnte wie im Zoo. Etwas, dem ich mich ständig ausgesetzt sehe, ohne es beruflich zu betreiben. Als Inspirations-Quelle der Engländer im 18.Jahrhundert galt dafür besonders John Miltons Gedicht Il Penseroso (Der Nachdenkliche):

„Und möge zuletzt mein müdes Alter
Die friedvolle Einsiedelei finden,
Das härene Gewand und die mit Moos bewachsene Zelle,
Wo ich sitzen mag und richtig deuten
Jeden Stern, den der Himmel zeigt,
Und jedes Kraut, das den Tau aufsaugt;
Bis langjährige Erfahrung heranreicht
An beinahe etwas wie Prophetie.
Diese Freuden, Schwermut, schenke,
Und mit dir werde ich zu leben wählen.“

Eremiten-Projekt

Ruebezahl

„Siehe da! Die Menschen sind die Werkzeuge ihrer Werkzeuge geworden.”
Henry David Thoreau

Thoreau hält er für einen Dilettanten, und rätselhaft ist nach wie vor, wie er die harten Winter im Zelt überstand: Der letzte wirkliche Eremit, Christopher Thomas Knight (47), der 27 Jahre unentdeckt in den Wäldern von Maine lebte. Angeblich fraß er sich mit gestohlenen Süßigkeiten Fett an und meditierte. Vom Diebstahl zu leben und dadurch den Frieden anderer erheblich zu beeinträchtigen, die sich nur noch mit elektronischen Überwachungs-Anlagen schützen können, ist keine überzeugende Lösung, auch wenn er dabei seinen eigenen Frieden fand: „I did examine myself. Solitude did increase my perception. But here’s the tricky thing — when I applied my increased perception to myself, I lost my identity. With no audience, no one to perform for, I was just there. There was no need to define myself; I became irrelevant. The moon was the minute hand, the seasons the hour hand. I didn’t even have a name. I never felt lonely. To put it romantically: I was completely free.” Sucht nich jeder dasselbe im Leben? Offensichtlich nicht. Manche brauchen zur Zufriedenheit Konsum, Telefon und Internet, ich dagegen rollenweise Nato-Draht. Doch nicht mal einfacher Stacheldraht ist noch zu bekommen, wegen des großen Bedarfs in dieser heuchlerischen Gesellschaft der Asozialen. Knight erlebte weder seine Jugend, noch Schule oder Job als befriedigend. Auch nicht das Zusammensein mit anderen. Erst sein Wald-Camp gab ihm Ruhe: „I found a place where I was content.” Seine Zähne gingen dabei drauf, und eine passende Brille ließ sich beim Einbruch in fremden Häusern nicht finden. Nun sitzt er ein, friert nicht mehr, wird regelmäßig versorgt und lernt eine umgitterte Außenwelt kennen, die sich stark verändert hat, seit er sie 1986 spurlos hinter sich ließ.

Holzschnitt von Luwig Richter, „Rübezahls Garten”