Für „tigerfour“

god-of-war

Sämtliche Buchhändlerfenster sind voll
von Kriegsbüchern und Romanen.
Die Presse war schuld! Der Kaiser war toll!
Man hat uns mit allen Schikanen

belogen
betrogen,
dumm gemacht,
ums Denken gebracht – Großer Katzenjammer.

Natürlich hat es sich nicht gelohnt.
Natürlich hätten wir die andern geschont.
Natürlich ist unschuldig deutsches Wesen.

Auf ein Mal
sind sie sentimental,
gefühlvoll, pathetisch und Kriegsverdammer.
Großer Katzenjammer.

Aber -: Geht das morgen wieder los,
vertauscht du nur die Farben,
dann erleiden Millionen ein schlimmeres Los –
vergessen, wie andere starben …

Kurt Tucholsky, 1929

Du. Pilot auf dem Flugfeld. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst Bomben und Phosphor über die Städte tragen, dann gibt es nur eins:
  
Sag NEIN!

Wolfgang Borchert (1921-47)

Ich habe nun die komplette Entwicklung des neuen, schleichenden Militarismus erlebt: Vom Verbot des Kriegs-Spielzeugs bis hin zu ihrer ausgefeiltesten Perversion, dem buddhistischen Militär-Seelsorger. Ich könnte gerade noch nachvollziehen, daß diese häßlichen Monströsitäten zur „Normalität“ eines Staates gehören, aber ich wehre mich gegen die neue Propaganda in Blog-Form in der literarischen Nachfolge von Wolfram von Richthofen, dem “Erfinder des moralischen Bombardierens”, die den Schmutz nicht reinwaschen kann.

Abb.: Modellbaukasten einer „Selbstschutzanlage“ (neudeutsche Sprachreglung)

Haiphong72

„We have to find any way, reporters as well as civilians, Vietnamese as well as other people in the world, to prevent scenes like this from happening again.”
Nordvietnamesischer Fotograph, Hai Phong 1972

http://insellos.wordpress.com/2013/11/07/heldenbeine/

Fremde Schwiegertochter

vorm-Baum

Der Regisseur Fred Zinnemann (1907-97) stammte aus der amerikanischen Dokumentarfilm-Bewegung. In seinem Film „Teresa“ (1951) setzte er quasi-dokumentarische Zustandsschilderungen ein, die man als eine Art Neorealismus ansehen kann: Der junge Philip leidet unter der Bevormundung durch seine Mutter und versagt kläglich als Soldat in Italien. Seiner Mutter, die ganz bestimmte Vorstellungen von Philips zukünftiger Ehefrau hat, verheimlicht er die in Italien geschlossene Ehe mit Teresa. Als die Mutter zufälligerweise ein Hochzeitsfoto der beiden entdeckt, bekommt sie einen hysterischen Schreikrampf. Das hat mich besonders berührt, da ich nicht nur eine Mutter hatte, die sich nicht von mir lösen konnte, sondern die auch heftig reagierte, als sie sich durch meine Auswanderung von mir „verraten“ fühlte.
An den im folgenden Jahr von Zinnemann gedrehten Film „High Noon“ wurde ich durch meinen Aufenthalt in Indonesien und die dann folgenden Auseinandersetzungen immer wieder erinnert: der ewig ungelöste Konflikt zwischen dem verantwortungsbewußten Individuum und der feigen, korrupten Menge.