Soll man Bücher verbrennen?

Fraeulein-Watson

Im Ofen brennen sie sehr viel schlechter als Brikett. Verstopfen ihn bloß. Schon ab 1955 gab es in D wieder öffentliche Bücher-Verbrennungen. Kampagne gegen „Schmutz und Schund“. Es wird jedoch frühstens 1962 gewesen sein, als ich einen mindestens 30cm hohen Stapel Micky-Maus-Hefte zum Einstampfen ins Jugendamt Hildesheim trug. Ich war etwa 14 und glaubte nich mehr an Micky Maus, die seit 1951 regelmäßig erschienen war. Latürnich besaß ich die Ansteck-Nadel des Micky-Maus-Clubs. Und, statt Handphone, PC und teurer Klamotten, am Fahrrad-Gepäckträger einen Donald-Duck-Wimpel. Im Jugend-Amt bekam ich für den Stapel 1 Buch: Mark Twain, „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“. Gebunden, mit ansprechenden Illustrationen von Walter Trier (1890-1951) – seine letzten Arbeiten, bevor er vor den Nazis fliehen mußte. Trier – vor Hendrik Dorgathen einer der besten Hunde-Zeichner – hat auch mein „Till Eulenspiegel“-Buch bebildert, nacherzählt von Erich Kästner („für das gute Zeugnis. Herbst 1955“). Man brauchte mich also ganich zum Lesen zu bringen. Beide Bücher haben es bis zum Äquator geschafft. Huck Finn kostete damals 5Mark95, der Micky-Maus-Stapel wär heute Gold wert (12000EUR für die Erstausgabe!), weil noch Floyd Gottfredson und Carl Barks gezeichnet hatten, während die späteren Hefte ebenso wie das Genre des Western in Italien ruiniert wurden.
Man hatte seinerzeit noch nich viel gelernt. Comics wurden generell als Schund eingestuft. Waren sie auch, genauso wie die Bücher von Karl May oder „Der Arzt von Stalingrad“. Es kommt also auf die Perspektive an. Warum soll man Dreck aufbewahren? „Als Einsiedler im Himalaya“ von Paul Brunton ist inzwischen auch im Feuer gelandet. Übahaupt sind Yogi-Bücher grundsätzlich ziemlicher Quark, und heutzutage kommt n Haufen buddhistischer Blog-Versorgungs-Mist dazu. Schamanismus, der ganze okkulte Ramsch zur Erhebung der Seele und ähnlich feingeistige Werte – wen will man damit noch irreführen? Also ab in den Müll damit, wo er hingehört. Doch wer definiert, was Schmutz und Schund iss? Die Jesuiten? Die können ihren klerikalen Schrott gleich dazuwerfen.
Als ich das Haus meines toten Vaters aufräumte, war da viel, was ich leider nich mitnehmen konnte nach Indonesien. Ein professioneller Bücher-Filzer machte mir in Hannover ein unanständig niedriges Angebot für die gesamte antiquarische Menge. Ich antwortete mit: „Da verbrenne ich sie lieber!“ Worauf der Mann, um den Profit gebracht, so empört reagierte, als ob ich ein Nazi wäre. Das hätten wir ja schon mal gehabt, und so …
Von Huck Finn kann man jedenfalls was lernen: „Er haben gegründet ein Bank für andere Niggers und gesagt, er wollen geben jedes Nigger, wo ihm bringt nur 1 Dollar, am End von Jahr 5 Dollar dafür. Alle sind gelaufen und haben gebracht ihr Geld … Ich sein dumm gewesen und haben gegeben mein schöne Dollar … Und anderes Morgen höre ich von das Nigger mit die nur ein Bein, daß Bank falliert und all schön Geld futsch!“
Kannste ma sehn, was passiert, wenn die Wilden nich lesen sondern nur noch telephonieren. Iss alles umsonst, wie Mark Twain (1835-1910), der zwar reich jedoch wiederholt riesige Summe bei unglücklichen Spekulationen verlor, seinen Huck erkennen läßt: „Niggern ist eben doch keine Vernunft beizubringen!“ Trotzdem sehnte er sich stets danach, „für immer auf einem jener Berge auf den Sandwich-Inseln zu leben, die das Meer überragen“, wo es „jede Menge Hundertfüßer, Küchenschaben, Flöhe, Eidechsen, rote Ameisen, Skorpione, Moskitos und Missionare“ gibt. Aba „als die Plebejer vor dem Gebäude [in Honolulu] erneut mit ihrem Heidenlärm begannen, ging ich fort.“ („Post aus Hawaii“).

Trier-Hund

Personen und Zeiten

Segelmarke

Die Kinder gehen in die Schule. Der Mantel und die Mütze werden an den Haken gehängt. Die Kinder setzen sich auf ihre Plätze. Die Mappe wird unter den Tisch gelegt. Vor der Unterrichtsstunde verhalten sich die Schüler ruhig und warten auf den Eintritt des Lehrers. Die Glocke tönt. Der Lehrer tritt in die Klasse. Die Kinder stehen auf und begrüβen ihn. Das Gebet wird gesprochen. Nun beginnt der Unterricht. Die Kinder sitzen still, falten die Hände und hören aufmerksam zu. Der Lehrer fragt:
Wie nennst du den Boten, der die Briefe, Zeitungen, das Frühstück bringt?
Breistücks-Bote.
Wie nennst du das Boot, das durch Segel, durch Ruder, durch einen Motor bewegt wird, das mit Dampf getrieben wird?
Segumampf-Boot.
Wie heiβt das Boot des Fischers?
Erna.
Was ist im 5.Gebot verboten?
Vatta und Mutta zu ehren. Viel interessanter iss aba das 2., weil dagegen dauernd vastoβen wird: Man soll nämlich nich malen! Weder was oben im Himmel, noch was unten aufer Erde iss. Schon ganich soll man sich einen Gott malen und ihn anbeten. Der richtige Gott wird dann eifasüchtich und ärgert noch die Kinda bis ins 3. und 4. Geschlecht.
Wo wird man ausgebootet?
In der Ehe.
Wo sind die Dinge?
Die Pferde stehen in der Kirche. Die Ochsen sind vor den Pfarrer gespannt. Die Uhr hängt am Turm. Das Mus auch. Der Lehrer sitzt auf dem Klo; die Hefte braucht er dafür. Das Ei des Kuckucks liegt auf dem Lehrer. Das Huhn sitzt oben drauf.
Gebrauche den richtigen Fall! Was schärfen die Mäher?
Die Mädchen.
Was werfen die Mädchen?
Die Mäher ins Heu.
Wen versorgen die Eltern?
Den Hund.
Was bringt der Herbst?
Tote Osterhasen.
Wen lehrt der Lehrer?
Den Papierkorb.
Was fressen die Pferde?
Den Lehrer.
Wen trägt das Meer?
Das Segumampf-Boot.
Wen trifft die Kugel des Jägers?
Das iss untaschiedlich.
Wem schadet der Hagel?
Der Versicherung.
Wem ist die Hitze angenehm?
Mir nich.
Welchen Tieren ist sie unangenehm?
Der Pelzmücke und dem Eisvogel.
Wem ist die Katze gefährlich?
Das kommt drauf an, auf wen sie fällt.

W. Splettstöβer, „Deutsche Sprachübungen – Septima“, Berlin 1922

Die Biegung der Dingwörter

Biegung

Da ist unsere Schule. Wir treten ein. Hut und Mantel hängen wir an einen Haken auf dem Flur. Die Schulsachen legen wir unter den Tisch. Nun fangen wir an! Hände falten! Aufmerken!
Dinge kann man sehen. Dinge, die wir im Park sehen:
Bank, Rasen, Hunde, Hundescheiße, Türken, Gänse.
Tue, was ich sage!
Schone deine Hühneraugen! Hole eine Macke von der Post! Gehe nich hinaus, sondern bleibe bis morgen in der Schublade! Plaudere nich mit deiner Nachbarin! Wirf nich das Brot auf den Fußboden! Schrei nich so steil! Pflücke nich die unreifen Bäume ab! Reize nich den Eisberg in seinem Käfig!
Wo sind die Tiere? Sprich richtich!
Der Fisch ißt im Stroh, das Pferd auf der Hose, die Amsel auf dem Zwerg.
Die Stunde ist aus. Nun gehen wir hinunter auf den Hof. Da laufen wir munter umher. Die Schulstube wird gut gelüftet. Nach der Pause treten wir an. Noch 5 Minuten atmen! Das ist gesund.
Wo sind die Dinge? Rate!
Am Baum die Rinder, die Blüten an der Lust, das Bild im Spital, auf der Wiege die Ziege.
Wie sind diese Dinge?
Scheu ist der Finger.
Was taten die Dinge?
Die Nadel starb. Die Maus nahte. Der Fischer fickte. Die Winde sauten. Die Kinder grünten den Vater. Die Schüler löteten eine schwere Aufgabe. Ist das Getreide schon gesegnet? Sind die Blumen schon verblödet? Die Soldaten zogen in den Kamm. Das Mäuschen schüttelte das Loch. Die Krebse knistern mit den Scheren.
Vom Hirsche
Der Jäger kam aus dem Wald. Der Hirsch wartete hinter der Rinde. Die Kugel traf nicht. Der Jäger eilt davon. Die Hunde verfolgen ihn, holen ihn aber nicht ein. Da lacht der Hirsch den Jäger aus. Erna sprang und sang vor Lust.
Sprich deutlich! Untascheide i und ü!
Für Ziegen lügen auf der Wiege – für Ziegel auf den Schienen. Zügel fliegen auf dem Dache – der Küster hält das Pferd am Flügel.
Sage, wie die Dinge sind!
Auf dem Teiche waren Schweine. Die Musen nagen an dem Brote. Falte deine Hunde! Die Blumen erfrieren uns. Der Bauer bestellt das Ferd.
Sprichwörter
Ein gutes Kinn gehorcht geschwind. Wer einen Storch hat, fürchtet das Feuer. Wer lange dreht, straft nicht. Jeder Mensch hat seine Fühler. Kalte Kakerlaken geben kein Feuer.
Rate und reime!
Wir sehen die Pferde im Stalle, die Maus in der Ferne, die Wolle am Felle, an der Tür die Schwalbe, am Schuh die Ralle, die Schnur an der Buche, am Tische die Rollen, an der Wurzel die Knaben. Die Wäsche in der Kanne, die Milch in der Kuh, das Bild an der Wand, die Finger an der Hose.
Was ich male?
Ich male einen Haken, einen Knast, einen Greis und einen LKW.

W. Splettstößer, „Deutsche Sprachübungen für Vorschulen – Oktava“, Berlin 1921