The Flyer

Balancierte auf einem umgestürzten Baum in meinem Urwald. Pflückte einen Topf voll Brombeeren, holte mir dazu frische, warme Milch aus dem Kuhstall, saβ an einem langen, schwarzen Tisch in meinem verschimmelten Westzimmer, beleuchtet durch Kerzen, und Neil Young sang mir was vor – während ich aβ, als ob ich noch nie vorher gegessen hatte. Sprach mit einem alten Mann, der nur noch zwei Eck-Zähne besaß, die Hände in den Hosentaschen. Das ist hier so üblich. Der auch schon von der Hinfälligkeit des Alters gezeichnete Pastor besuchte mich und streichelte meinen nackten Arm, ob meiner atheistischen Reden, mit denen ich ihm deutlich zu machen versuchte, daß ich seiner Dienste nicht bedürfe – und ich bekam eine Gänsehaut. Diese Gaukler arbeiten mit allen Tricks. „Unter den vielen Lügenmächten, die in der Welt wirksam sind, ist die Theologie eine der ersten.“ (Mahatma Gandhi)

Kaufte 30 Eier. Eicheln fallen auf’s Dach, der Tisch knackt. Nachts gehe ich nackt in den Wald. Wie ich eben ein zweites rohes Ei auslutschte, weil ich noch keine Kochmöglichkeit besitze, hätte ich beinah kotzen müssen.

Dann wurde es langsam kalt, und ich besaβ noch keinen Ofen, dem Haus fehlte ein Stromanschluβ. Sich drauβen zu waschen, war kein Vergnügen mehr. Wenn es kalt ist, ist es eben kalt. Muß man sich bewegen und dann früh ins Bett kriechen. Mein Zucker ist zu Stein geworden. Das Land ist stellenweise hart.

Verdammt! Die Kälte macht mich mürbe. Nichts Richtiges im Magen und den ganzen Tag Kälte. Tritt man heraus aus dem Eichenwald, empfindet man die sonnendurchwärmten Moorweiden mehrere Grade wärmer. Dies ist das erste Haar in der Suppe meines kalt-feuchten Waldlebens. Trotzdem geht es vorwärts. Der Atem ist weiß.

Diese Tage sind einmalig. Rehe, die ich morgens hinterm Haus sehe, heben alle Sorgen auf, machen mich euphorisch. Gestern oder heute Morgen kam ein Eichhörnchen. Mein Zeitgefühl schwindet, ein natürliches Gefühl für den Ablauf des Tages bildet sich. Erfahrungen. Mann, was habe ich heut wieder alles gesehen! Ich muß unbedingt ein schwarzes Damenfahrrad haben. Viel arbeiten, wenig essen. Die Tage werden immer schöner, besonders wenn ich die Schwierigkeiten überwinde. Wasser- und Stromleitung sind wie Geschenke.

Den Stein kann nur finden, wer von der Suche ganz erfüllt ist. Suche nicht, und du wirst finden. Zweimal unterstrichen Punkt

Aquarell des englischen Malers und Kolonialpioniers John White (16. Jahrhundert)

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Ein Gedanke zu „The Flyer

  1. Pingback: Die Stunde der Verzweiflung | Flaschenpost

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