Nachtleben

MJAMM!

Was macht man in Tokyo in der Nacht? Wenn man nicht schläft und die Teigbällchen am fahrbaren Stand gegenüber vom Hotel nicht mehr mag, weil man entdeckt hat, daß sie Krakensaugnäpfe enthalten, dann kann man im Hotel eine Tour buchen: „Tokyo Bright Night“ ohne Essen für 7.200 ¥, „Tokyo Silver Night“ ohne Essen für 7.500 ¥ oder „Tokyo Golden Night“ mit Essen für 8.700 ¥. Wir entscheiden uns für Gold, weil wir auch essen müssen, und einzeln umherstreifen ist extrem teuer. Es stört mich, daß ein Nachtklub-Besuch inklusive ist, aber die anderen 3 Attraktionen scheinen interessant. Ein Bus holt uns vom Hotel ab, und schon fahren wir durch Tokyos Neon-Glitzerwelt. Als wir uns im Stadtteil Ginza dem mehrstöckigen Suehiro-Restaurant nähern, das uns eine tödlich langweilige, moderne Betonfassade zeigt, hält vor uns im Halbdunkel der Straße eine schwarze Rikscha, der eine weiß gepuderte Geisha in aufwendigem Kostüm entsteigt und im Eingang verschwindet. Kino pur!

Das Suehiro-Restaurant wurde 1933 von Herrn Toshimatsu Ueshima gegründet. Die Idee war, seinen eher vegetarisch ausgerichteten Landsleuten Steaks über rotglühender Holz-Kohle zu braten und mit Soya-Soße zu servieren. Das Fleisch kommt von der Suehiro-Ranch am Fuße des Mt. Fuji. Dort gibt es auch eine Cowboy-Schule „for primary, middle and high school students. The students are taught horseback riding and rope handling“. Mit den so erworbenen Kenntnissen kann man dann im Erdgeschoß des Suehiro, „Angus Ranch“ genannt, teure Steaks essen, „served by cowboys and cowgirls. Western bands get your feet stomping between 6 and 9 p.m. every evening“. Zum Glück werden wir gleich in eine andere Kulisse in einem der Obergeschosse geleitet. Hier sieht es nun ganz traditionell japanisch aus, mit Schiebetüren, Tatami-Matten auf dem Boden und einem langen, niedrigen Tisch, an den wir uns hocken müssen. In der Mitte befinden sich vertieft Gaskocher mit Flambierpfannen, umgeben von schwarzen, fettig glänzenden Flußsteinen. Traditionell gekleidete Damen servieren uns anmutig sukiyaki. „When eaten in true Japanese style rooms with straw mats, and served in true Japanese style, you can enjoy this traditional Japanese dish the way it should be enjoyed. And you’ll love it.“ Und wir brauchen nicht mit den inzwischen abgestorbenen Füßen zu stompen.

 

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