Picasso und ich

 

 Bevor ich staatlich anerkannter Künstler wurde, hab ich Bilder aus der unverfälschten Tiefe meines Unvermögens produziert. Als ich dann mein Kunststudium begann, dacht ich, nun würde ich richtich Kunst erlernen, doch nix passierte. Ich verlor nur ein Jahr und fast die Nerven. Davor hatte ich noch als Oberstufen-Schüler 1967 an einer Gruppen-Ausstellung mit überzeichneten Decalcomanien im Jugendzentrum der alten Stadt teilgenommen. Studienrat Helmut, ein Mathematik-Lehrer, der mir Nachhilfe erteilte, was aba hoffnungslos war, besuchte die Ausstellung, die mit einem Andante von Beethoven eröffnet wurde, mit seiner Frau. Er, der immer weißen Schimmel hinter den Ohren aufwies, bemerkte zu meinem Bild „Triumph des Eies“:

„Versteh ich nicht.“

„Ich versteh das“, sagte daraufhin seine Frau.

Rudolf, Dekorateur bei C&A, war schlauer als ich. Er klaute einen Titel von Picasso („die süße soße deiner worte tropft verschimmelt dir vom kinn“) und schaffte es damit zu einem Foto in der Kreiszeitung. Dafür wurde ich mit „als wirklich gut zu bezeichnenden Grafiken“ erwähnt, „man denke an ‚Kleiderkammer eines Satyrs‘“. Das Satyrische lag mir einfach im Blut, konnte jedoch erst später voll zum Ausbruch kommen.

Immer wenn ich geistich erschöpft mit Helmut fertich war, klingelte ich gleich an der Wohnungstür gegenüber, wo eine scharfe Rothaarige wohnte. Als Helmut das bemerkte, alarmierte er meine Mutter. Das sei kein passender Umgang für mich, das Mädchen hätte schon 1 Kind, außerdem sei der Lernerfolg gefährdet. So wurde es wieder nix. War’n eben verklemmte Zeiten damals.

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