Letzte Suppe

Bei Gott iss kein Ding unmöschlisch.“ Lukas 1,37(m?)

Daß ich neben Leonardo da Vinci ein weiterer uomo universale bin, zeigt sich schon daran, daß ich auch kaum was fertichkriege und – getrieben von der Unruhe meines hier und auch da dilettierenden Geistes – lieba was Neues anfange. „A man can do all things if he will“, soll der Humanist Alberti (1404-1472) diesbezüglich geäußert ham (wahrscheinlich auf italienisch). Anstatt sich also zum Bleistift ganz auf das Eichhörnchen-Genre zu vasteifen und ein Crack in der Eichhörnchen-Portraitmalerei zu werden – zeichnete er lieba ma 1 Panzer. Und so kam es auch, daß diese weltberühmte Wandmalerei „Die letzte Suppe“ neben der total dämlich vor sich hingrinsenden Schwuchtel „Mona Lisa“ zum schlimmsten Flop der Kunstgeschichte wurde. Das hindert latürnich die internationale Liga der Kunstbanausen und des christlichen Imperialismus nich daran, dieses schwüle Cinemascope-Gemälde zur beliebtesten Sargdekoration Nordsulawesis zu machen. Die Amerikaner, besonders die in Philadelphia, die bekanntlich einen besonderen Sinn dafür besitzen, das geistich Hochstehende zu vapopeln, ham uns das „The Leonardo Da Vinci Kit“ geschenkt. In jenem befindet sich u.a. eine postkartengroße Abbildung der „Letzten Suppe“, versehen mit einem Schieba. Wenn man den rauspullt, klappt das in Teile zerlegte Gemälde um und zeigt die neuste Version nach der Restauration. Die wurde schon bald bitta nötich, denn Leo hatte mit den Farben experimentiert. Normalaweise malte man sowas mit Tempera-Farben direkt auf den noch feuchten Putz, was schnelles und abschnittsweises Arbeiten voraussetzte. Leo nahm aba Öl als Bindemittel, und so trocknete es nich. Versuche mit unterhalb angezündetem Feuer sollen sogar Teile zum Schmelzen gebracht ham. Es muß eine ziemliche Sauerei gewesen sein. Leo wa kaum fertich, da mußten schon die Restauratoren ran. Imma wieda übamalten sie das Bild – bis keina mehr so genau wußte, wie es ursprünglich ausgesehen hatte. Erst nach dem WWII gelang es, wenigstens den Zerfall zu stoppen. Von 1980-1999 wurde das Werk dann so gründlich restauriert, daß fast nichts von dem bekannten Zustand übrich blieb und sich eine ganz neue, heftichst umstrittene Version zeigte: 

Und da ging es los. Hie die traditionellen Historika, dorten die modernen, die mit wissenschaftlichen Methoden wie DNS-Analyse, ASU, neoplatonischem Rötel-Test, usw. nachwiesen, daß es sich bei der entdeckten Version um eine moderne Fälschung handele. Angeblich von einem gewissen Michael Sowa (*1945), und es wäre auch keine „Letzte Suppe“ dagestellt, sondern das Bild hieße „Mann, Fisch, Tisch“, mithin also ein Fisch-Gericht (Fischsuppe?). Dagegen die altgedienten, teilweise schon toten Kunsthistorika, die sich ganich erst um diesen ganzen linkssoziologischen, püschotherapeutischen Kram kümmern, sondern Leos Pinsel in sich fühlen und aus dem völligem Übawältichtsein durch seine geniale Kraft einfach WISSEN, wer was gemalt hat. Und wirklich übakommt uns die ältere Version ja als viel übazeugenda: Wie Jesus da mit ner Flasch Bier gottverlassen am Tisch sitzt – kurz bevor se ihn abholen – die Jünga alle schon abgehaun, Judas sowieso, das iss einfach geil. Nur noch mit dem Fisch (Forelle?) auf Du und Du, das muß ersma eina nachmachen. Und so wissen wir heute, daß Leo ganich so verkitscht wa, wie man imma denkt, sondern ein ganz moderner wie ich und du. Ich jedenfalls.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s