Seelische Vibrationen

 

„Wenn man etwas durch die Sinne Wahrnehmbares darstellt, drückt man etwas Menschliches aus … Wenn man nicht die Dinge darstellt, bleibt Raum für das Göttliche.“ Piet Mondrian (1872-1944)

Mondrian begann in einer Landschaft nachzudenken, die auf elementare Formen reduziert ist: Der Horizont ist hier nicht imaginär, er liegt als Wirklichkeit über der Landschaft; das flache Land wird von geraden Kanälen und Straßen durchschnitten; die korrekt verteilten Bäume wirken wie klare Zeichen; die Landschaft selber liefert dem für vom Menschen geschaffene Ordnung begeisterten Maler das Modell.

Auf den ersten Blick wirken Mondrians geometrische Werke aussagelos. Sie erschließen sich aber in ihrer tieferen Bedeutung durch die Kenntnis des philosophisch-religiösen Hintergrunds. Der calvinistisch aufgewachsene Maler stand der Theosophie (griech. „Gottesweisheit‘) nahe … Nach Ansicht des holländischen Philosophen Schoenmakers (sic!), der auf Mondrian und die gleichgesinnte Künstlergruppe „De Stijl“ einen großen Einfluß ausübte, besitzt das Universum eine mathematische Struktur … Die Theosophie geht weiterhin davon aus, daß Formen und Farben (die auch der Mensch in einer nur für Wenige sichtbaren Aura ausstrahlt) beim Betrachter zu seelischen Vibrationen führen. Die Mitglieder des De Stijl leiteten aus dieser Erkenntnis geradezu eine Mission ab. Bestätigt sahen sie sich darin durch den niederländischen Philosophen Spinoza, der schon im 17. Jahrhundert gelehrt hatte, menschliches Glück hänge von der wahren Erkenntnis ab, zu der einzig der geometrische Maßgedanke führe. Das eigentliche Ziel ist die Reinigung des Auges und des Geistes des Betrachters. (Hans L. C. Jaffé)

„Gründet man die Kunst im Ewigen und im Absoluten, im Kosmos, im All, definiert sie folglich als unwandelbar, dann isoliert man Kunst von ihrem historischen Kontext.“
Martin Damus, „Ideologiekritische Anmerkungen zur abstrakten Kunst und ihrer Interpretation“, 1970

Als einer der Urheber des aufgeblasenen und sinnlosen Kunst-Jargons gilt Wassily Kandinsky. Fuck the Theosophie! „Es ist zu bemerken, daß England und Holland, die beiden ältesten Kolonialmächte des Ostens, auch am meisten von indischer Theosophie verseucht sind.“ (C. G. Jung). Aber das Bild iss gut. Man stelle es sich mal als Glasfenster vor.

Foto: Piet Mondrian, „Komposition mit Rot, Gelb, und Blau“, 1928

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s