Geist-Reise

Ich zündete die Pfeife an, und nachdem ich sie den Mächten geweiht und eine Stimme zu ihnen geschickt hatte, rauchten wir zusammen.
Zuerst bietet man das Mundstück dem einen über uns an und spricht:
Hört mich, ihr vier Teile der Welt – ich bin euer Verwandter! Macht mich stark, über die sanfte Erde zu gehen, ein Verwandter von allem, was ist! Gebt mir Augen zu sehen und die Kraft zu verstehen, daß ich euch gleich sein möge. Mit eurer Macht allein kann ich den Winden standhalten.
Dann legt man sich auf den Boden in heiliger Weise. Wie einer, der auf heilige Weise wandern will.

Ich fürchtete immer, alle Leute würden mich völlig durchschauen, auch gewahren, daß ich unterwegs wäre, jenes falsch auslegen und dann vielleicht denken, ich sei wahnsinnig. Und so verspürte ich den Drang, mich zu verbergen, aus Angst, sie könnten in mich hineinschauen und davon berichten.
Es geschah freilich sehr viel auf solch einer Reise, was ich nicht mitzuteilen vermag, auch wenn ich mich darum bemühe, denn gar vieles darin war nicht für Worte gemacht.

Immer wenn ich zurückkehrte, fühlte ich mich sehr ermattet. Alles in meiner Umgebung erschien mir fremd und so, als befände es sich in weiter Ferne. Es verlangte mich dann tagelang, allein zu sein, und mir war, als gehörte ich nicht zu der Gesellschaft, in der ich lebte. Die Menschen kamen mir wie Fremde vor. Ich pflegte nach den vier Himmels-Gegenden zu blicken, an meine Visionen zu denken mit dem sehnsüchtigen Wunsch, dorthin zurückfinden zu können. Alle hielten mich für krank, aber das war es nicht. Ich hatte nur Heimweh nach dem Ort, an dem ich gewesen, wo nichts ist als die Geister aller Dinge. Das ist die wirkliche Welt, die hinter dieser liegt, und alles, was wir sehen ist nur so etwas wie ein Schatten von jener Welt. Dort geht alles verkehrt zu, und dem liegt die Absicht zugrunde, den Reisenden zuerst heiter und glücklich zu machen, so daß es für die Kraft leichter ist, sich in ihm zu entfalten. Die Wahrheit kommt stets mit zwei Gesichtern in diese Welt: eins ist traurig vor Leiden und das andere lacht; doch ist es das gleiche Antlitz, ob es nun lache oder weine. Wenn die Reisenden bereits am Verzweifeln sind, dann ist für sie vielleicht das lachende Gesicht besser; und wenn es ihnen zu wohl ergeht und sie sich zu sicher fühlen, dann ist es für sie vielleicht besser, ein weinendes Gesicht zu sehen.
Auch begannen sich die Dinge zu verändern: sie wurden weich, bewegten sich und waren von einer leuchtenden Aura in allen Farben umgeben.

Nachdem ich zurückgekehrt war, empfand ich eine große Traurigkeit, weil meine Mutter und mein Vater nicht zu verstehen schienen, wo ich gewesen. Aber ich war nun nicht mehr im Zweifel, sondern fühlte mich als Mann und konnte allezeit jene Kraft in mir spüren. Ich erkannte, wie schön die Tage waren.

Seither habe ich viel darüber nachgedacht: Ich hatte ein große Vision gehabt, und ich hätte mich ausschließlich auf diese verlassen sollen, damit sie mich zum Guten führte. Aber ich folgte immer wieder den minder hohen Träumen, die sich mir gezeigt, als ich im Wald tanzte. Es ist schwer, einer einzigen großen Vision zu folgen, in dieser Welt der Finsternis und der vielen wechselnden Schatten.

(Nehm wa ma an, der Ogalalla-Sioux Black Elk hätte das so oder so ähnlich beschrieben, würden wir uns nich fragen: Was war in seiner Pfeife?)

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3 Gedanken zu „Geist-Reise

  1. "I KNOW! I KNOW THE ANSWER!!!" …. peyote!did u here about the sweat lodge tragedy in Arizona not too long ago? Indian sweat lodge….silly, stupid white people trying to profit from old native traditions…moron’s killed several people from suffocation!!!!!!!!!!!! indians were NOT stupid people~ they handled things like peyote, dream states and visions, well….americans and others over indulge and die like idiots!!!!!!!!!

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