Leichte Reiter

aus einer 90er Jahre Biker-Zeitschrift:

Ein ereignisreiches Jahrzehnt neigte sich seinem Ende zu, die 70er Jahre standen vor der Tür. Die Zeit war wieder mal reif für eine Wende. Der Slogan „born to loose“ ging zwar immer noch o.k., aber sich endlos gegenseitig auf die Fresse zu hauen, löste langsam allgemeines Gähnen aus. Flower-Power, Psychdelia und Hippies hinterließen auch an der Biker-Bewegung ihre Spuren. Andere Horizonte und Perspektiven drängten sich förmlich auf.
Zu diesem Zeitpunkt, über 20 Jahre ist es schon her, traten Dennis Hopper und Peter Fonda auf den Plan. Sie brachten es fertig, genau das filmisch umzusetzen, wonach alle lechzten, ließen Träume und Sehnsüchte einer ganzen Generation zu konkreten Bildern auf der Leinwand werden, kurz, sie schufen das Meisterwerk des Motorrad-Films schlechthin: Easy Rider.
Das Projekt wurde mit relativ geringen finanziellen Mitteln auf die Beine gestellt. Wichtig war, von den mächtigen Film-Bossen weitgehend unabhängig zu arbeiten. Fonda produzierte, Hopper führte Regie. Die Anti-Helden, „Wyatt“ (Earp) und „Billy“ (the Kid) spielten die beiden einfach selbst. Die Namensgebung sollte eine Anspielung auf Amerikas liebstes Kino-Kind, den Western, sein. Für die Rolle des „Paul“, einen heruntergekommenen, ewig besoffenen Winkeladvokaten, engagierten sie Jack Nicholson, ihren alten Kumpel aus gemeinsamen Tagen in Corman’s Talent-Schmiede. Als vierter im Bunde zeichnete Laszlo Kovacs für die bewegten Bilder verantwortlich.
Kaum in den Kinos gestartet, entwickelte sich Easy Rider zu einem Manifest für das Lebensgefühl einer neuen Jugend, für ein ungebundenes Leben ohne die Zwänge und Ansprüche der bürgerlichen Gesellschaft. „On the Road“ sein, hieß frei sein. Hauptsache man war unterwegs, das Ankommen wurde zur Bagatelle. Nie zuvor wurde die wahre Faszination des Motorradfahrens so mitreißend, so überzeugend hautnah auf Celluloid gebannt. Das vibrierende Hochgefühl, auf funkelnden Hochlenkrädern dahinzugleiten, wurde förmlich körperlich spürbar.
So hockten die Easy-Riders der frühen Seventies gut gefedert auf ihren leichten Harley-Custom-Pans und fuhren über das silberne Band der Highways einer verlorenen Freiheit entgegen. Doch wie bemerkte „Captain America“ alias Peter Fonda so ernüchternd: „Selbst auf diesen Straßen gibt es keine Abenteuer mehr. Angst und Gewalt spiegeln sich in den Ölflecken auf dem Asphalt!“

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