Die Pfeife aus Aurich

Fortbildung

Lehrer müssen sich fortbilden, sonst macht das einen schlechten Eindruck, wenn se sich nich fortbilden wollen. Und so sitzen manchmal 70 oda mehr Akademika zusammen und zerbrechen sich stundenlang den Kopf, wo se sich ma wieda fortbilden könnten: An der Nord- oda Ostsee oda mehr im Süden in der Brauerei in Einbeck? Nach dem Mauafall ging das sogar im fernen Osten. Auβadem gips latürnich auch imma wieda Notstände, wo man was tun muβ gegen. Zum Bleistift, wenn überall plötzlich Drogentote rumliegen oda jeda 2. Aids hat. Dann muβ man einen Beauftragten beauftragen, der was dagegen tut, damit die Eltern nich wieda sagen: „Die tun nix!”

Eina meina Fehler wa, daβ ich nich verreisen wollte, allein schon deshalb, weil ich dann mit Lehrern zusammensein muβte, und auβadem gehn Schrate ungern aus ihrem Wald raus. Doch wie gesacht, man will ja auf Dauer keinen schlechten Eindruck machen, und so kuckte ich irgendwann vor 1975, wo ich mich ma in der Nähe fortbilden konnte, und da wurde ein Drogen-Kongreβ in Aurich angeboten. Ich wuβte zwar nich, wo Aurich übahaupt liegt, hab es aba schlieβlich gefunden. „In Aurich fühlt man sich wohl“, sacht Aurich, welches sich schon länga in Ostfriesland befindet, was ja an sich ein schlechtes Zeichen iss, aba Aurich hat immerhin 2024ha Wald, den ich jedoch nich gesehn hab vor lauter Häusern.
In Aurich traf ich auf 2 als Experten Eingeladene, die mir sofort sympathisch weil sie keine Lehrer waren. Der eine berichtete von seinem Heroin-Entzug, und der andere war Dealer, wie ich gleich an seinen Wagen bemerkte, in dem er mich nach dem Kongreβ nach Hause fuhr. Auβadem hatte er eine sehr nette Freundin, die mich auch sehr nett fand, nur sein Hund fand mich nich nett und knurrte mich die ganze Zeit an, weil der wascheinlich schon ahnte, daβ es da noch dreieckigen Ärger geben würde. Aba ich will ja von dem Kongreβ erzählen:
U. a. wa eina vom Rauschgift-Dezernat als Referent geladen, der sein ganzes Rauschgift im Koffer mitgebracht hatte und netterweise auch rumgehn lieβ. Ich wollte schon vorschlagen, ob man nich ma, ich mein, nur so zur Fortbildung, aba ich wollte ja keinen schlechten Eindruck machen. Mann, der hatte vielleicht viel Rauschgift in seinem Koffer! So viel hab ich nie wieda gesehn. Damit hätte ich Jahre hinkommen können. Und ALLE Sorten. Deshalb hab ich mir von der dicken, grünen Haschisch-Platte, als die gerade bei mir vorbeikam, mit dem Daumennagel so ein kleines biβchen abgeknipst und es runtageschluckt. Nach eina Weile bekam der Rauschgift-Dezernent so eine Art Aura, nich so stark wie bei Jesus, aba immahin. Später zeigte ein Medien-Beauftragter Anti-LSD-Filme der Landes-Bildstelle. Die waren entweder total zum Lachen oda genial mit Dali-Bildern illustriert, jedenfalls merkte ich gleich, daβ keina im Raum übahaupt Ahnung von sowas hatte, und deshalb hab ich sie darauf hingewiesen, daβ man Anti-LSD-Filme nich mit Dali-Bildern verhübschen könne, wenn man die Jugendlichen nich dazu bringen wolle, sich zu sagen: Sowas will ich auch ma sehn!

Ach so ja, ich wollte üba die Pfeife – also in eina Mittagspause bin ich in Aurich rumgelaufen und fand dabei diesen wundabaren Tabak-Laden, der randvoll mit wundabaren Pfeifen wa, und da hab ich mir gleich mehrere wundabare Pfeifen gekauft, die ich alle nich brauchte, weil ich schon eine wundabare Pfeife geerbt hatte. So wa das.

Und irgendwann nachdem ich total fortgebildet aus Aurich zurückgekommen wa, brach wieda son Rauschgift-Notstand aus, und jedes Gymnasium sollte einen Rauschgift-Beauftragten beauftragen – und zwar für drogenabhängige Lehrer! Ich wa zwar mucksmäuschen-still, aba ein Deutschlehrer erinnerte sich, daβ ich mich ma fortgebildet hatte und schlug mich vor. Ich glaub, ich bin da etwas rot geworden, obwohl ich latürnich total der Richtige dafür wa. Allerdings der einzige, der ganich wuβte, welche meiner Kollegen an der Flasche hingen, weil ich nich mit ihnen zusammen soff. Und wie hätt ich in som Fall vorgehn solln? Den Kollegen bei der Hand nehmen und mit ihm heimlich einen im Wald durchziehn, um ihn vom zerstörerischen Alkohol wegzubringen? Mein Direktor wuβte da auch keinen Rat. Jener hatte ja nur den Erlaβ der Bezirks-Regierung auszuführen. Und so wurde ich nie aktiv, und die Eltern ham bestimmt gesacht: „Die tun nix!“

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Ein Gedanke zu „Die Pfeife aus Aurich

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