Parallelen

Gauguins-Haus

1848 wurde er in Paris geboren.
Mit 35 Jahren begann er zu malen.
Er gab seinen Börsen-Job auf und verließ Frau und Kinder.
Mit 43 fuhr er das 1.Mal in die Südsee.
Auf Tahiti hielt er sich von 1891-93 auf.
Ab 1896 blieb er da – mit 48 Jahren.
Auf der Hauptinsel der Marquesas, Hiva-Oa (Dominique), errichtete er mit Hilfe eingeborener Arbeiter mitten im Dorf Atuona sein „Haus der Freude“ (12×5,50m). Der Bau mit Palmblattdach ruhte auf 2,40m hohen Pfählen auf einem Grundstück, das er für 650Francs vom Bischof der allmächtigen katholischen Mission, Monsignore Martin, erworben hatte. Der Bischof, den er zusammen mit dessen Haushälterin Thérèse in Holz schnitzte und links und rechts der Aufstiegsleiter aufstellte, vernichtete nach seinem Tode alle Bilder, die er als unanständig einstufte.

Bischof-&-HaushaelterinLe père Paillard“ (Vater Lüsternheit) & „Sainte Thérèse„, Holz, 68cm, um 1901

„Ich habe gelernt, allem zu mißtrauen, was gegen meine Instinkte, mein Herz, meine Raison ist.“
Er starb mit 54 im Elend, doch er verwirklichte seinen Traum – teilweise. Sein Name war Paul Gauguin.

1948 wurde ich in einer niedersächsischen Kleinstadt geboren, wohin meine Mutter bei Kriegsende geflohen war.
Mit 16 begann ich zu malen.
Ich wurde Kunstlehrer und heiratete eine Indonesierin.
Mit 27 war ich zum 1.Mal in Ostasien (Japan).
Mit 35 lernte ich Indonesien kennen.
Ich gab meinen Job auf und siedelte mich mit 52 in Nordsulawesi an.
Ich bin jetzt 39 Jahre alt und leide an 2 unheilbaren Krankheiten.
Das kann ja heiter werden.
Das Leben iss 1 Lüge.

Paul Gauguin wurde ziemlich genau 100 Jahre vor mir geboren. Das war sein Pech! Denn so hat er den Einzug von Coca-Cola, Video und Karaoke in die Region des Pazifik nicht mehr erlebt. Auch den Feuerzauber, den seine skrupellosen Landsleute dort veranstalten, hat er gar nicht mehr mitbekommen.
Während er seine frühe Kindheit in Lima verbrachte, wuchs ich in verschiedenen niedersächsischen Städten auf. Dafür begann ich aber wesentlich früher zu malen und spekulierte später. Und wenn es mir noch gelingen sollte, so gute Bilder wie er anzufertigen, wird man nach meinem Tode vielleicht sagen:
„Das war doch der mit dem Ohr – nein – Moment! Der mit der Philippinin! Nein, der, der seinen Beamtenjob hingeschmissen hat und nach Indonesien ausgewandert iss. Völlig unverständlicherweise! Wo doch hier alles paletti war: schönes Haus, großer Garten, sicheres Einkommen, geregelte Müllabfuhr, automatische Abbuchung der Stromkosten … .“

„Das Leben ist kaum mehr als der Bruchteil einer Sekunde“, soll Paul gesacht ham, bevor er, der Zivilisation endgültig überdrüssig, sein Leben in Polynesien vereinfachte.
Deshalb wird es langsam Zeit, daß ich abdampfe.

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3 Gedanken zu „Parallelen

  1. Ein genialer französischer Maler;
    Launenhaftigkeit und Streitlustig; war er der Maler & Künstler Paul Gauguin, auch töpferte er Keramiken – Plastiken und Gefäße aus Ton. Während seiner Aufenthalte in der Südsee 1896 schnitzte er ein Tahitisches Mädchen. Danach starb er am 8. Mai 1903 in Atuona auf Hiva Oa, Marquesas. Auch der Waldschrat hat noch Zeit & Kraft um an der Zivilisation zur Selbstunterhaltung zu schnitzen.
    Konstruktive Elemente des Wirklichen!
    Gegrüßet seist du, Maria und Gottes Sohn greifen Motive der Bibel auf, wobei Gauguin sich nicht scheute, das biblische Geschehen in eine tropische Umgebung zu versetzen. Sicherlich war es dabei sein Anliegen, der von ihm heftig bekämpften Amtskirche ( A footprint in the sand ) das Bild eines reinen, unverdorbenen Christentums entgegenzuhalten.

  2. Es hat immer wieder Versuche gegeben, Gauguin für Ziele zu vereinnahmen, die nicht die seinen waren. Das begann schon mit seiner Leiche, die Bischof Martin okkupierte und mit dem ganzen katholischen Pomp beisetzte („Alle Welt kannte Monsieur Gauguins Ansichten in Bezug auf diese Herren, und diese Herren selbst kannten diese Ansichten auch sehr genau.“ Paul-Louis Vernier, 1904).
    Ich konnte die Zahl seines Gesamtwerks nicht feststellen. 1 Quelle zeigt 524 Gemälde. Dazu kämen aus den ~30 Jahren seines Schaffens eine unbekannte Zahl von Radierungen, Holzschnitten, Keramiken und Skulpturen. Unklar auch die Summe der Fälschungen. Neben antiklerikalen und okkult-religiösen Werken konnte ich lediglich 14 Werke mit deutlich christlichem Inhalt finden (~2%).

  3. Pingback: Ein wilder Mann « Flaschenpost

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