Rolf Heiβler

raus

26.4.1989

thomas,

an dich, an unsere gemeinsamen gänge zur volksschule kann ich mich nicht mehr erinnern. du wirst dich wundern, die zeit, die 24 stunden am tag, reichen trotz allem nie für das vorgenommene aus. die auflistung der schriftlichen kommunikation durch rebmann soll lediglich die existenz von kontakten nach auβen in massen beweisen, unterschlagen wird dabei, wie viel dabei angehalten wird oder nur schreiben an behörden, verteidiger usw. waren oder auch nur karten, ganz abgesehen von denen, die auf grund des kontaktes zu kriminalisieren versucht werden.
die ähnlichkeit sehe ich mehr auf alter und zeiten bezogen – wie hast denn du die 68er zeiten überstanden und wo – als auf aus den erfahrungen gezogene konsequenzen. der rückzug in eine art mooreinsiedelei steht stellvertretend für das schaffen eines freiraums mit zuen augen unter ignoranz der realität (medienabstinenz), das auseinanderklaffen zwischen einstigen politischen vorstellungen und ihrer realisierbarkeit, aufgabe, resignation, eine art des arrangements unter den herrschenden bedingungen.

das laufende ist kurz zusammengefaβt. wir haben gesagt, wir machen jetzt schluβ mit der staatlichen strategie gegen uns seit 18 jahren, es ist zwar vieles auszuhalten, aber auf dauer geht es so nicht weiter, und dieser punkt ist erreicht. es geht nicht um überleben, sondern um leben auch unter diesen bedingungen und das heiβt nach weit über ein jahrzehnt alten gutachten in interaktionsfähigen gruppen, was sowohl kleingruppen als auch irgendwelche gezielt zusammengewürfelte leute ausschlieβt. das programm gegen uns ist wissenschaftlich zusammengestellt und wurde weitgehend aus den usa übernommen.
es ist daher belustigend, wenn du von gruppendruck, -zwang usw. liest, dabei jedoch verschwiegen wird, daβ alle jahrelang in totalisolation hockten. kein druck? dieses konzept ist gescheitert, es ist national wie international derart in verruf geraten, daβ es geleugnet werden muβ. vor allem hat es sein ziel nicht erreicht, das kollektiv konnte trotzdem nicht zerschlagen werden.

vorletzte woche konnte ich mit drei genossinnen von uns, u.a. christa, telefonieren. in der einschätzung der situation bestand und besteht konsens, daβ z.z. nichts greifbares auf dem tisch liegt und auszuloten ist, wie weit greifbares auf den tisch kommt. die spd-position ist unakzeptabel, versuch der spaltung in nord/süd, straf-/u-haft usw., dazu kleingruppe, dh. fortsetzung ihrer strategie, als einstieg zur weiterentwicklung – noch – nicht vorgesehen, die cdu/csu-suedschiene – noch – knallharte ablehnung. unsere erklaerung wie das unterbrechen von christa & karl-heinz zeigen unsere flexibilitaet, nehmen jedoch nichts von der schärfe der situation. wir geben ihnen die möglichkeit, mit diesen provokativen und unverbindlichen nicht-lösungs-‚angeboten‘ a la spd schluβ zu machen und einen gangbaren weg unter einbeziehung aller genoss-inn-en herauszufinden. aber nach ersten reaktionen scheinen sie das noch immer nicht begriffen zu haben oder begreifen zu wollen. die gelaufenen oder laufenden ‚gespräche‘ vermitteln nur stillstand, das sind weniger gespräche als zur-kenntnis-nahme altbekannter positionen. ändert sich das nicht, wird die situation bald identisch mit der sein, vor der sie bereits standen. sie versuchen sich jetzt an der rekonstruktion des ‚konsens der demokraten‘, doch faktisch wird das auch nach dem jetzigen stand kaum besseres bringen. sie pokern bis zum äuβersten, ihr problem, wenn sie dabei überreizen. sollten sie auf weitere unterbrechungen spekulieren, wird ihr kalkül nicht aufgehen.

du drückst es so neutral aus, bedauern des umkommens. da kann ich nur leicht spöttisch sagen, ich würde es auch bedauern, zumal ich das gegenteil bereits zweimal erlebt habe, 79 bei verhaftung, 81 im hs.
es gibt genügend menschen, die mich/uns verstehen und an uns denken. sie sind nicht zu quantifizieren, auch nicht national zu beschränken, sondern es ist international zu sehen. das weiβ ich auf grund meiner erfahrung in der arabischen region. dieses wissen gibt auch stärke.

grüβe r.(olf Heiβler), Straubing)

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