Mit und ohne TV

Akrobatik-8.85

Im „Spiegel" die jährlich wiederkehrenden Schockberichte über TV-Konsum. Seit ich den „Spiegel" lese, denke ich jede Woche, die Welt geht unter. Erst wird man heißgemacht, dann iss alles nich so schlimm, und am Textende wieder ein paar Heißmacher. Diesmal geht es um die Kinder und die neuen Kanäle. Konsum angestiegen. Na sowas! Wer hätte das gedacht.
Gehe ich nach dieser herzbewegenden Lektüre raus in den Garten, sitzt da meine Restfamilie + Kater „Tiga" auf ner chinesischen Matte in der Sonne und läßt sich’s gutgehen. No problem mit TV, einfach now. (Wenige Jahre später wird mein Sohn sich mehr bei anderen Familien mit TV als zuhause aufhalten, und sich unsere familiäre Idylle nachhaltig auflösen.)

Wenn du den Punkt erreicht hast, wo es kein Zurück gibt, löst sich manches von selbst, weil du dein Leben lebst, wie es wirklich ist. Du siehst, spürst, riechst und hörst es.
Das Land ist trocken, der Torf reißt, junge Birkenblätter welken. Eine gute Zeit hier im Moor. Du hörst es am Ruf der Brachvögel und am Ruf des Kukucks.

Yanto ist so braun geworden, wie einer, der nicht hierher gehört. Aber wo gehört er hin? Die Frage paßt auch auf mich, obwohl ich ein sog. Weißer bin.
Über mir an der Wand fahre ich farbig 50×70 meinen ewigen easy Ride durchs Moor und komme nicht von der Stelle. Haare und Fransen der Wildlederjacke fliegen im Wind. Und ich fahre und fahre … wohin?
Ich werde mir das neue Medikament „Aspasmon" gegen Magen-Darm-Krämpfe und das Buch von Thomas Merton „Der Berg der 7 Stufen" kaufen. Damit komme ich ins Jahr 2000. 1 Schlangenbiß-Set besitze ich schon.
Ab in die Tropen.

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3 Gedanken zu „Mit und ohne TV

  1. Auszug aus der Theorie von Allem, Frank Brown. Am 10. Dezember, wenige Minuten nach seinem Gastvortrag in Bangkok, starb Thomas Merton im Hotel an einem Stromschlag. Die Schlangen sind nicht so gefährlich, wie die Stromversorgung in Asien. Was will man mit einem Buch von einem christlichen Mystiker in den Tropen anfangen, als Freidenker mit einer hübchen Frau und einem fliegenden Kind ?

  2. Merton hatte zwar auch Probleme mit der Stromversorgung, schrieb aber gute Sachen: „Man muß in Wahrheit frei sein von aller Bindung an irgendein System.“ oder „Wenn er jedoch weiterkämpft, kann er sich eines Tages plötzlich so annehmen, wie er wirklich ist, als ein Rätsel ohne eine Antwort, die anderen in objektiver Weise mitgeteilt werden kann.“ („Weisheit der Stille“, 1975)

  3. Wenn wir den Moment so annehmen wollen, ohne ihn zu beurteilen, dann dürfen wir ihn auch nicht verurteilen. Kein Moment ist gut oder schlecht, er ist einfach. Aus jedem Augenblick kann ein anderer entstehen, über dessen Vergänglichkeit sich bewusst zu werden bedeutet, zu verstehen ob traurig, fröhlich, zornig etc. dem Leben Achtung zukommen lassen.
    Die darauffolgende Momente erfüllen nur evtl. unsere Erwartungen nicht. Weil wir nie denn Ausgang einer Geschichte kennen, bleibt uns nur der Augenblick im Leben. Die Gegenwart misst sich nicht in Tagen, nicht in heute und morgen, sie misst sich in Momenten. Der Rest bleibt ein Rätsel das wir in objektiver Weise den anderen mitteilen, ohne selbst die Antworten zu kennen.

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