Letztes Interview VI

Fortschritt

Das Problematische an dem Dorf war auch, daβ zu uns nur eine Chaussee führte, und diese Chaussee ging aber in die verkehrte Richtung. Sie führte nach Süden in das 8km entfernte Kirchdorf Mehlkehmen (= Birkenmühle), und das war nicht unser Kirchdorf, welches 4km abseits lag. Nach Mehlkehmen fuhren wir hin, weil da der Arzt wohnte und auch sonst zum Einkaufen. Aber unser Kirchdorf das war Pillupönen (= Schloβbach), und das war wieder Landweg. Auch in alle anderen Richtungen führten alles Wege in die Nachbardörfer, die im Sommer zwar gut befahrbar waren, aber bei schlechtem Wetter eben sehr morastig und nicht zu befahren. Mit Autos schon gar nicht. Abgesehen davon, das wir noch keins hatten, und mit dem Fuhrwerk auch eben schlecht. Die Straße, die in die Kreisstadt führte, da begann die Chaussee erst nach 4km, und insgesamt mußte man 16km fahren, um dorthin zu kommen. Dort war später auch meine Schule. Da war die Möglichkeit mit dem Wagen in die Stadt zu fahren, aber einfacher und relativ günstig war es noch mit der Eisenbahn, da sie ziemlich dicht, also durch unser eigenes Gebiet führte, welches zu unserem Hof gehörte. Die Bahnstation war nur ~500m entfernt. Ich bin nachher, als ich auf das Gymnasium kam, 10 Jahre lang jeden Tag mit der Eisenbahn zur Schule gefahren.

Angefangen habe ich allerdings mit der Dorfschule. Das ist insofern bemerkenswert, als es eine 1-klassige Dorfschule war, d.h., die Jahrgänge von 6-14 wurden in einem Raum von 1 Lehrer gleichzeitig unterrichtet. Da konnte man natürlich nicht allzuviel lernen, und als ich nach 3 Jahren auf das Gymnasium sollte, da reichte das nicht. Ich wurde nicht aufgenommen, sondern mußte erst noch 1 Jahr in eine Privatschule gehen. Die war in einem Dorf 2 Bahnstationen von Podszonen entfernt bei einer Bäuerin, die die Schwester meines Schwagers Rudolf Jautelat war, der meine Schwester Meta 1925 geheiratet hatte. Da wurde ich dann mit einem Sohn des Hauses, Bernhard Lauda hieß der, und einer Verwandten, zu dritt von einer Privat-Lehrerin unterrichtet, und ich weiß noch, das ich ein ganz erstklassiges Zeugnis bekam. Alles Einsen und Zweien, und ich habe dann die Aufnahme-Prüfung für das Gymnasium in Stallupönen (= Ebenrode) bestanden. Da bin ich 1923-33 zur Schule gegangen.

[„Die Straßen auf Java sind besser als in Deutschland, und selbst auf Bali, ja auf der halbwilden Insel Lombok, immer noch gepflegter als in Ostpreußen.“ Richard Katz, 1929]

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Ein Gedanke zu „Letztes Interview VI

  1. Hallo Tom,

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    Herzliche Grüße,

    Johanna

    johanna@paperblog.com

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