Letztes Interview VIII

Podszonen-Gut

Unser Hof besaβ 1 langes, massives Stallgebäude, gut ausgebaut, 1 lange, groβe Scheune, 1 kleinere und 1 kleinen Stall, wo Schweine waren und zum Teil auch Schafe. Die räumliche Aufteilung, die war doch ganz anders als bei den Niedersachsen-Häusern. Wenn man zum Haus reinkam, da ging 1 Flur durch das ganze Haus bis zur Hofseite. Da ging so eine kleine Treppe – auch mal in einen Vorbau, wo dann die Milchkannen standen und die Milch gesammelt wurde. Links und rechts lagen Wohnräume, und ich weiβ, nachher, als mein Bruder den Hof übernommen hatte, daβ er die eine Seite bewohnte, und meine Mutter hatte dann als Altenteil die andere Hälfte, wo ich mit ihr wohnte.
Meine Mutter, die hatte so verschiedene Angewohnheiten, die mir nicht zusagten. Ich bin ja bei Petroleum-Licht aufgewachsen. Bei uns gab es kein elektrisches Licht. Man hatte wohl nach dem 1. Kriege viele Dörfer elektrifiziert, aber bei uns hatte man sich nicht dazu entschlieβen können, denn es muβte ja auch was dafür bezahlt werden. Es gab da noch genauso einen Hof, wie wir ihn hatten, und der gehörte einem Fick. Und mein Vater sagte, er würde das auch machen, die Elektrifizierung, wenn der Herr Fick das macht. Und Herr Fick sagte, er mache das nur, wenn der Herr Dobat das macht. Und dann machte nachher keiner. So gab es in den Nachbar-Dörfern elektrisches Licht und bei uns nur Petroleum. Als Junge, vielleicht war ich 10 oder 12, muβte ich manchmal abends mit meiner Mutter auf den Boden gehen, weil sie da irgendwas zu kramen hatte. Das war mir fürchterlich langweilig, dabei die Petroleum-Lampe zu halten. In der Dachkammer hingen an der Dachschräge Spinnweben runter, und es machte mir solchen Spaβ, die Lampe drunter zu halten und zu sehen, wie die so aufflackerten. Und dann muβte ich plötzlich feststellen, daβ es keine Spinnwebe war, sondern ein Bündel Flachs, das auf einem Brett über der Tür lag und in Flammen stand [lacht]. Glücklicherweise war einer unserer Instleute im Hause, der ganz schnel kam und half, das Feuer mit einem Eimer Wasser zu löschen. Ich hab natürlich nicht verraten, daβ ich die Lampe beinahe absichtlich runtergehalten hatte [lacht].

[„Die Einführung des elektrischen Stroms war von gröβter Bedeutung für die industrielle Aufwärts-Entwicklung … auch im Kreise Stallupönen (Ebenrode). Im Jahre 1901 erhielt die Stadt elektrisches Licht.” (Dr. phil. Rudolf Grenz)]

Flachs wurde auch angebaut, in früheren Jahren jedenfalls, später nicht mehr. Wenn er geerntet war, muβte er gebrochen werden, wie man sagte, um das harte Zeug abzumachen. Das wurde in einer alten Kiesgrube in der Nachbarschaft gemacht. Eine fürchterlich staubige Sache. Danach wurde er gesponnen und nachher gewebt. Bei uns war es nicht mehr so üblich zu spinnen und zu weben, einen Webstuhl hatten wir nicht im Haus.

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