Mentalität der Sieger

Flucht

„…Wir wissen alles. Wir erinnern uns an alles. Wir haben begriffen; Die Deutschen sind keine Menschen … Wir werden nicht reden. Wir werden uns nicht empören. Wir werden töten. Wenn Du im Laufe eines Tages einen Deutschen nicht getötet hast, ist Dein Tag verloren … Wenn Du einen Deutschen getötet hast, töte noch einen – es gibt für uns nichts Lustigeres als deutsche Leichen.” (Ilja Ehrenburg, 1943)

Die Stadt Stallupönen ist dem Erdboden gleichgemacht … Durch Typhus und Hunger wurde die Bevölkerung gemindert; viele tausend Menschen starben im Sommer 1945 … Schon 1947 wuchsen Birken auf den Trümmerstätten. Beackert wurden nur die Felder, die in einem Umkreis von 5km von den bewachten Kolchosen aus lagen. Alles andere Land lag brach … Mein Vater, Mathes Kapps, wurde am 11. Februar 1945 von den Russen erschossen; meine Mutter, Martha Kapps, geb. Bacher, starb am 31. Januar 1946 an Hunger. Mein ältester Bruder, Georg Kapps, wird seit dem 27. März 1942 in Ruβland vermiβt … Ein besonders eigenartiges Schicksal hatte ein Bauer aus Wertimlauken (Klein-Föhrenhorst), dessen Gehöft in einem abseits gelegenen Bruch stand. Erst im Jahre 1956 wurde er hier von den Russen aufgestöbert und unverzüglich ausgewiesen. Zu seiner Existenz wichtige Güter, wie z.B. Salz holte er sich aus dem nahen Litauen.” (Charlotte Kapps)

„…Hinter der litauischen Grenze endet die Fahrt in den LKW. Kinder bis zu 10 Jahren werden ihren Müttern entrissen. Die Frauen ringen die Hände, und die Jungen und Mädchen schreien fürchterlich. Es ist herzzerreiβend … Schlieβlich werden wir in eine Kaserne gesperrt, von hier geht es weiter, erst in LKW, dann in Güterzügen. Die Fahrt dauert 28 Tage. Ungefähr am 2. März kommen wir im Ural an. Als die Russen die Waggontüren öffnen, leben in jedem Wagen nur noch 60-70%. Dieser klägliche Rest ist ein Haufen wandelnder Leichen. Und der Durst ist dabei noch schlimmer als der Hunger.” (Fritz Klemm, Burgkampen)

In einer gröβeren Anzahl von Ortschaften südlich Gumbinnen wurde die Zivilbevölkerung – z.T. unter Martern wie Annageln an Scheunentore – durch russische Soldaten erschossen. Eine groβe Anzahl von Frauen wurde vorher vergewaltigt. Dabei sind auch etwa 50 französische Kriegsgefangene durch russische Soldaten erschossen worden.” (Generalmajor Erich Dethleffsen)

„…Unter anderem sah ich zahlreiche Frauen, die man, nach der Lage der verschobenen und zerrissenen Kleidungsstücke zu urteilen, vergewaltigt und danach mit Genickschuβ getötet hatte; zum Teil lagen daneben auch die ebenfalls getöteten Kinder.” (Dr. Heinrich Amberger)

Viele Bewohner des Kreises Stallupönen erlagen auch den Strapazen des Trecks. Unter denen, die den Russen in die Hände fielen und in Arbeitslager verbracht wurden, starben etwa die Hälfte an Hunger, Miβhandlungen und Krankheiten. Geschätzte Verluste der ostpreuβischen Bevölkerung durch Kriegseinwirkung und Vertreibung: 614000.

Konzentrationslager sind nicht aufgehoben, sondern von den neuen Besitzern übernommen worden. Meistens werden sie von polnischer Miliz geleitet. In Swientochlowice (Oberschlesien) müssen Gefangene, die nicht verhungern oder zu Tode geprügelt werden, Nacht für Nacht bis zum Hals in kaltem Wasser stehen, bis sie sterben. In Breslau gibt es Keller, aus denen Tag und Nacht die Schreie der Opfer dringen.” (R.W.F. Bashford)

„…, aber die Mehrzahl, darunter viele Kinder und Halbwüchsige, wurden bloβ eingesperrt, weil sie Deutsche waren … Der Unterschied bestand lediglich darin, daβ der herzlosen Rache, die hier am Werke war, das von der SS zugrundegelegte groβzügige Vernichtungssystem fehlte.” (der Jude H.G. Adler über die Verhältnisse im ehemaligen KZ Theresienstadt unter tschechischer Verwaltung)

Tschechen sagten uns, daβ ihre KZ erst die richtigen seien, und daβ die Deutschen von ihnen lernen könnten.” (Else Seethaler)

Grube/Richter, „Flucht und Vertreibung”, 1980
Rudolf Mühlfenzl, „Geflohen und vertrieben”, 1981

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