3. Indonesien-Reise 1989

Ab Bremen, Ankunft Kauditan und Treffen mit der schwarzen Schlange auf unserem Reisfeld, Resochin eingenommen, Grab Langis besucht, Polterabend mit Poltergeist-Exorzismus, Hochzeit mit Pleitegeiern überm Kirchturm. Heute ist mein Geburtstag. Ich sitze hier im halbtraditionellen Haus meiner Schwiegereltern. Es ist der 1. stille Abend. Ich bin allein – sofern man in Indonesien allein sein kann – denn da sind immer noch die Geräusche, die ich auf der voherigen Reise schon beschrieben habe: Geplapper, Palaver, fliegende Rasierapparate, Mopeds in allen unangenehmen Geräuschklassen. Das Sirren der Zikaden mag ich schon gar nicht mehr missen. Ich habe angefangen, es als selbstverständlichen Teil meiner Umgebung anzusehen. Überhaupt gewöhne ich mich immer besser an dieses in jeder Hinsicht merkwürdige Ambiente.
Wie gesagt, heute ist mein Geburtstag. Nicht, daß etwas Ungewöhnliches passiert wäre, denn es passieren aus meiner Sicht den ganzen Tag ungewöhnliche Dinge.

Hochzeitsmarsch-89

Wo soll ich anfangen? Damit, daß Lena mir in ihrer bewegten Art zu sprechen nach der Trauungszeremonie vor der Kirche die Brille aus dem Gesicht schlug? Starke Rückhand, wie bei Boris Becker, allerdings hab ich Beckers Rückhand nie gesehn. Lena hat sie bestimmt gesehn, denn auch hier gibt es wohl kaum noch eine Familie ohne TV.
Im Moment singt im Erdgeschoß eine Schmelzkäsestimme irgendein Liebeslied.
Ja, also Lenas Rückhand, das ist ein ganz böses Omen (wird auch gerade vom Cicak an der Decke bestätigt). Wenn so etwas dann noch vor der gereja protestan in Tontalete passiert (~1,5˚ nördlicher Breite), über der die Pleitegeier schweben, so ist das wirklich ein ganz böses Omen (Die Braut starb wenige Jahre später an Typhus.).

Posten-Treue-Blume

Ich könnte z.B. einfach verschwinden, wie der Deutsche Johannes, der irgendwo in der Nähe von Airmadidi gewohnt haben soll. Leider hab ich kein Geld, sonst würde ich vielleicht in einen warung gehen und dort meinen Geburtstag feiern. Aber soweit bin ich leider noch nicht. Da fehlt es noch an Sicherheit in der fremden Kultur. Vor allem an Vokabeln.
Also mit solchen Zeichen sollte man vorsichtig umgehen, das habe ich ja schon von der langen, schwarzen Schlange gelernt. Wie dem auch sei, Langi, ich wär wohl in jedem Fall heute an meinem Geburtstag allein, denn es gibt natürlich Grenzen für den chinesischen Einsiedler, es regelt sich sogar schon vieles von selbst. Also sitze ich hier allein auf einem Rotanstuhl im Wohnzimmer meiner Schwiegereltern an meinem Geburtstag, und unten schmelzen jetzt 2 Käse musikalisch um die Wette, während ich diesen sonst verhältnismässig stillen Abend genieße. Eines Tages werde ich die Mottorräder draußen nach der Art ihrer Auspuffmanipulation nur nach dem Gehör identifizieren können.
Der Cicak lacht mich schon wieder aus.
Jetzt müßte man das chinesische Orakel befragen: War das nun ein Zeichen, Lenas Rückhand oda nich? Auf jeden Fall hat es etwas zu bedeuten, und darüber sollte man nachdenken, wofür man Zeit und Ruhe braucht, und die habe ich heute Abend an meinem Geburtstag. Ich möchte glaubwürdig betonen, daß ich nicht beleidigt bin, sondern daß ich die seltene Ruhe schätze. Ich will also nochmal von vorne anfangen, wie alles begann: …

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