Die spinnen doch

Hofschmetterling

Am Abend lasse ich den hübschen Schmetterling wieder frei, den Yos vormittags gefangen hat. Das ist doch was anderes als die Gottesanbeterin im Laden des chinesischen Fotografens in Girian.

Was für eine langweilige Party im Kantor Pos dan Giro (Postamt). Es duftet nach Geld, es fehlt der Geschmack; wichtig ist wohl nur das Foto, das von mir geschossen wird, während ich am kalten Büffet zugreife (Daß Ega nicht nur die Postkunden sondern auch uns gewaltig betrügen wird, ahnt da noch niemand.).

Heute hat Ira wieder versucht, Geld aus uns herauszulocken, zur Ladengründung. Das ist wirklich allerhand, wie sie uns ausquetschen wollen.

Seelischer Tiefpunkt. Els und Monika, diese Nervensägen, sind zwar abgereist, aber sonst läuft nichts besser.

Huette-Gunung-Potong

Als ich zum Grundstück gehen will, muß wieder ein teman (Freund) dabei sein. Auch wenn ich betone, daß ich allein (sendiri) gehen will. Hilft nichts. Ich schleiche mich zwar weg, aber kaum bin ich in der Hütte auf dem Gunung Potong, sehe ich schon Yos heraufkommen. Vorher, als ich noch unten war, flüchtete oben ein junges Paar und verschwand im Wald. Die Leute hier vermuten, daß es ein vor den Eltern ausgerissenes Pärchen war, das in der Hütte übernachtet hat. Ich finde noch ihre Spuren. Sie haben die Bambusstäbe, die Papa Ferry mir gespalten hat, und die ich für das Abstecken des Hausgrundrisses benutzt habe, als Feuerholz verbraucht. Aber kein Grund, um meine Sicherheit besorgt zu sein. Doch auch wenn Aaltje Schwiegervater die Länge meines Messers schildert, gibt es doch zu viele Hackgeschichten, u.a. von dem merkwürdigen Typ, der mit seinem langen peda an der Hüfte gegen jedes adat plötzlich abends ins Wohnzimmer reintapst. Der wird uns später noch eine Menge Schwierigkeiten machen. Natürlich geht es immer um Geld. Wenn die Leute spielen, saufen oder beides, oder einfach arm sind, sind sie unberechenbar. D.h. insofern schon, als sie immer Geld wollen. Nach seinem Auftritt schickt Isaak, dessen Gesicht zernarbt ist wie früher das eines mitteleuropäischen Zahnarztes, am nächsten Tag seine Frau, und schließlich setzt er auf dem Gunung Potong einen belo (Grenzbaum), um endgültig seinen vermeintlichen Anspruch auf einen Teil des Verkaufserlöses deutlich zu machen. Natürlich will ich gleich hin und den belo wieder rausreißen, denn alle wissen, daß er, der Isaak, verrückt ist, und daß der Verkauf ja eigentlich abgeschlossen ist. Aber dem Zertifikat fehlt noch seine Unterschrift. Also sabar (Geduld) und zwar reichlich! Da Schwiegervater die Sache verschlampt und sich nicht rechtzeitig um das Zertifikat gekümmert hat, müssen Isaak und seine Frau, die die Scheine schon rascheln hören, in stundenlangen Verhandlungen weichgeredet werden, bis sie schließlich unterschreiben – so, als ob man etwas 2x kauft. Am nächsten Morgen findet man Isaak auf dem Fußboden seines Hauses, seinen Rausch ausschlafend.

Auf dem Heimweg mache ich die Tour um die Kreuzung herum und schaue mir die vom Militär niedergewalzten Häuser an. Da hat Hassan Dali seine berechtigten Ansprüche durchgesetzt – und konnte sich hinterher im Dorf nicht mehr sehen lassen.

Heute Morgen wieder eine Grundstücksstreitigkeit. Unmöglich! Aber so nach und nach gelingt es uns, hier klar Schiff zu machen (was sich später als Irrtum erweist).

Spinne

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