Zum Kotzen – und auch nicht

Volksverarschung

Gerade hat mir Ira mein 2. Glas Jamu gebracht – gegen die starken Rückenschmerzen, die ich von den letztlich erfolglosen Eigenblutspritzungen bekommen habe (dt. Hautarzt: „Ich weiß zwar nicht wie, aber es hat schon mal gewirkt."). Durch die kann ich ohne Schmerzen nur stehen oder liegen, aber nicht sitzen. War schon während des Hinflugs reine Hölle. Überhaupt ging von Anfang an alles schief. Jamu hilft gegen alles. Die Schmerzen verschwinden dann auch – was sie ja normalerweise irgendwann tun.
Abends hat Ira noch den Teufel in Form eines kleinen, schwarzen Etwas ausgetrieben. War wieder große Aufregung, bis er endlich mit Hilfe eines riesigen Messers erlegt wurde. Hat wieder irgendwer geschickt. Donnerstag kommt erneut der dukun und entfernt auf magische Weise Glasscherben aus Schwiegervaters Knie. Lius ist auch krank geworden, weil er – so der dukun – sich beim Anblick der schwarzen Schlange erschreckt hat. Langis Geist! Auf unserem Reisfeld. Wie mich das alles ankotzt.

Papa Ferry will belo versetzen. Das sind Äste vom Kelumpang-Baum, die man als Kennzeichnung für Grenzen in die Erde rammt, wo sie schnell wieder austreiben. Dazu muß der gehbehinderte Schwiegervater wieder auf den Gunung Potong verfrachtet werden, um die Grenzfestsetzung zu begutachten. Dann erst kann ich mit Papa Ferry, dem alten, schlitzohrigen Indianer, die Stangen in dichter Reihe einrammen, um allen anderen Wilden den Grenzverlauf deutlich zu machen. Unwahrscheinlich, daß das in absehbarer Zeit erledigt wird.

Nongki soll uns abholen (seit 25min) zur Kindstaufe in Kasar. Früher war er ein gefürchteter Schläger und Spieler, und seine Frau ist selbst für hiesige Verhältnisse haarsträubend naiv. Nongki will sich mit uns schmücken und gegenüber seinen Verwandten angeben – wie alle anderen auch. Bekommen hat er mich, weil ich dort das Öffnen der Teiche und Fangen der Fische beobachten sollte. War aber wieder nur ein Mißverständnis, denn am Tag der Taufe arbeitet natürlich nur die Küchen-Crew, und die Fische befinden sich schon in der Pfanne.

Wer auch immer dieses Haus das letzte Mal gestrichen hat (vermutlich die Schlange aus Tontalete), er hat sich nicht die Mühe gemacht, die Bilder vorher abzuhängen, Möbel umzustellen oder abzudecken. Natürlich hat auch der Fußboden Farbspritzer abbekommen (Diese Qualität kann man ebenfalls bei modernen Neubauten finden.). Dafür befindet sich aber immer noch die 2½ Jahre alte Weihnachtsdekoration an der Decke: Happy Christmas!

Blick-nach-Sueden

Wenn ich mich auf unserem Reisfeld umdrehe – schon überwältigt von der Schönheit dreier Himmelsrichtungen – liegt da als Höhepunkt das 2000m hohe Massiv des Vulkans Klabat mit irgendeiner verrückten Wolkeneskapade, hinter der er manchmal so komplett verschwindet, daß man diesen Fujijama ganz vergessen kann. Jedenfalls ist es immer wieder spannend, und ich kann mich nicht sattsehen.

Klabatwolken

Mir hat es so gereicht, daß ich mit meinem Sohn einen angenehmen Fußmarsch zum 5km entfernten Fischerdorf Kema unternommen habe. Diesmal hat Yanto allerhand geleistet, war zufrieden und ich auch – bis ich, von der Schönheit des Meeres und seiner Jungfern erfüllt, wieder zurück in dieses Irrenhaus kam. Aber ich führe jetzt hier mein Eigenleben, und sie können mir alle mal am Arsch zaubern.

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