Das Zeichen der Schlange

Und dann gehe ich mit dem Indianer Papa Ferry, der mal Bürgermeister war und uns später auch betrügen wird, weil er arm ist, und weil er es immer so gemacht hat, in den Dschungel um belo zu hacken. Er geht barfuß schneller und sicherer als ich mit meinen safaribeschuhten Füßen. Wir dringen etwa 200m in fremde Plantagen ein, wo er mit sicher geführten Schlägen belo hackt. Ich sammle sie zu Bündeln – dabei immer bemüht, nicht an unbekannten Pflanzen hängen zu bleiben. Schließlich bringt mich ein Mißverständnis fast um: Ich habe mir zum Rücktransport die Hälfte des Haufens (2-3m lange Stöcke schwer wie Eiche) auf die Schulter geladen und nehme das Haumesser des Alten noch aus Höflichkeit mit. Auf seine Frage gebe ich zu verstehn, daß es schon ginge. Er hat aber gefragt, ob ich mehr tragen könne, der alte Fuchs, und lädt mir noch 3 zusätzliche Stöcke auf. Oh Scheiße! Schon nach den ersten 10m merke ich, das geht nicht gut! Leichtfüßig geht der Indianer mit seiner Last vor mir durchs Unterholz. Mein Atem wird schwerer, keuchender und ich zunehmend langsamer. Kein Problem mit solch einer Last in D, aber nicht bei dieser schwülen Hitze! Dabei bin ich nur mit Shorts bekleidet. Der Schweiß tropft mir von den Augenbrauen innen am Brillenglas entlang und nimmt mir die Sicht. Endlich erkenne ich den Hügel vor mir, auf dem die Grenze verläuft. Aber schaffe ich das noch da hoch?
Erstmal gehe ich in die Knie und stütze die Schulterlast auf dem Boden ab. Der Indianer sieht das zum Glück nicht. Dann folge ich ihm wieder schnaufend und schmeiße endlich meine belo zu seinen. Das war knapp vor dem Zusammenbruch. Wird nicht einfach werden mit dem Arbeiten hier.
Mit sicherem Stoß treibt Papa Ferry einen angespitzten belo wie eine Lanze in den Boden und vergrößert durch Hin- und Herbiegen das Loch. Dort ramme ich einen belo hinein und trete die Erde fest. Bald wird er ausschlagen und nach und nach eine grüne Grenze bilden.

verschlungen

Es ist so urig wie es nur sein kann. Ich arbeite mit einem echten Indianer im Urwald – d.h., so ur nicht mehr, aber doch überschaubare Wildnis. Schweißig, verschmutzt aber glücklich komme ich zu den Frauen zurück – und die lachen mich aus, als ich ihnen von den Folgen meines Kommunikationsproblems erzähle.

Auf dem Rückweg treffen wir noch den verrückten Isaak: Je eine Schnittwunde an beiden Unterarmen, eine an der Nasenspitze und an den Beinen. Er wird halt ab und zu von Mitbürgern mit Messern verfolgt, denen es reicht, was sich Isaak so alles leistet. An der Seite sein langes Messer und völlig wirr im Kopf. Ich bleibe kühl und bereit, mein Messer zu ziehen, aber er traut sich nicht an mich ran.

Vater hat Geburtstag. Er wird meinen letzten Brief bekommen, sich freuen und ihn stolz vorlesen.
Ich erinnere mich, wie Schwiegervater auch mal mit einem elektrischen Rasierer behandelt werden wollte. Also habe ich das alte Knitterface rasiert. Ich erinnere mich nicht an Gefühle. Vor unserer Abreise nach Indonesien ließ sich mein Vater von mir seine entzündete Nase mit Clearasil einstreichen. An diese Geste der Zuneigung erinnere ich mich immer noch genau.
Als wir zurückkamen, fanden wir ihn kalt, im Herzkrampf erstarrt in einer Garage. Winzige Käfer krabelten zwischen seinen Fäusten. Da verstand ich das Zeichen der schwarzen Schlange. Es war das Jahr des Todes und der Düsternis.

Schlange

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