Die große Abrechnung

Koeniggraetz

„Die bewußte Verleumdung meines Vaters, die einen starken Beigeschmack von Undankbarkeit hatte, bestärkte mich nur in meinem Eifer, mit meinem Plan fortzufahren, und würzte ihn noch mit einer kräftigen Prise Rachsucht. Dies ist deine Chance, sein Andenken zu schützen, sagte ich mir, die Familienehre wiederherzustellen." David Payne

Obwohl ich heute noch der Ansicht bin, daß diese Truppe die Gesundheit meines Vaters ruiniert hat, war ich weit entfernt von Rachsucht und wollte jenes Pack nur so schnell wie möglich loswerden. Traurig ist, wenn jemand blind vor Gier gar nicht mehr merkt, daß der andere durchaus eine friedliche Lösung sucht: Ich war (nur 3 Monate vorher) testamentarisch bestimmter Testaments-Vollstrecker und Erbe zu ¾, die Ehefrau zu ¼. Die Erbmasse bestand aus einem heruntergekommenen 2-Familienhaus aus den 30er Jahren, einer modernen Eigentums-Wohnung und Geldkonten. Am einfachsten ließ sich das so aufteilen, daß M. die Eigentumswohnung, die sie schon bewohnte, und ¼ des Kapitals bekam. Diesen Vorschlag unterbreitete ich ihr beim gemeinsamen Essen in einem Restaurant. Sie stimmte zu, und alles schien überraschend glatt zu laufen. Doch zurückgekehrt ins Haus forderte sie plötzlich den Einsatz eines Schätzers, weil sie einen Anteil am – aus ihrer Sicht – wesentlich höheren Wert des Mietshauses erwartete. Ich war verblüfft, konnte ihr aber den Unkosten verursachenden Wunsch nicht verwehren.
Das Ergebnis erschien völlig anders, als sie erwartete: Bei der Schätzung konnte ich nicht anwesend sein. Doch obwohl sie den Schätzer noch zu beeinflussen versuchte, stufte jener den Wert des Mietshauses wegen erheblichen Renovierungs-Bedarfs (der sich in der Folge bestätigte) niedrig und den der Eigentums-Wohnung hoch ein. Daraus ergab sich, daß M. die Eigentums-Wohnung nicht bekam, ohne mir noch 10.000DM Ausgleich zu zahlen.
Groteskerweise wollte M. nun wieder auf mein ursprüngliches Angebot zurückkommen, das jedoch durch die von ihr verlangte Schätzung nichtig geworden war. Da flippte sie endgültig aus und trank eine Karaffe mit Rotwein leer, deren Inhalt mir eigentlich zu ¾ gehörte.

Foto: Christian Sell, „Wilhelm I., Bismark und Moltke nach der Schlacht von Königgrätz", 1866

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