Guttenberg mit Gänsebeinen

Doktorarbeit

Quo quis est doctior, eo modestior est.

Wahrscheinlich wird niemand von einer philosophischen Fakultät eine ausgeprägte Beziehung zur Wirklichkeit erwarten, oder daß das Bestreben, einen Doktortitel zu erlangen – wenn er nicht gekauft ist – etwas anderes als etwa die Erlangung eines Ordens sei. Es geht also lediglich darum, andere zu beeindrucken und eher selten um Inhalte. Darauf weist schon der Titel:

Die Hexenlehre des Paracelsus
und ihre Bedeutung für die modernen Hexenprozesse

Wie mit einem „Bild"-Zeitungs-Aufmacher wird mit dem Titel dieser Dissertation suggeriert, es gäbe moderne Hexenprozesse in Gerichtsfällen „der letzten Jahre" (vor 1959). Im Vorwort werden dann aber – nicht nach der Guttenberg-Methode sondern ordentlich durch Verwendung von Gänsebeinen – die „neuzeitlichen" Erscheinungsformen von Hexenglauben und Schadzauber relativiert. Tatsächlich bestehen 24% der Arbeit aus Seiten, die lediglich Zitate enthalten (z.B. Gerichtsakten von Prozessen, deren Inhalt nicht die Bewertung von Aberglauben sondern juristisch relevante Vorgänge wie üble Nachrede, Beleidigung, Körperverletzung bis Mord sind).
Zusätzlich findet man auf etwa 21% der Seiten überwiegend Zitate, auf 25% etwa zur Hälfte und auf 23% zum kleineren Teil. Nur 6% der mit 165 Seiten schon quantitativ mageren Arbeit enthalten im wesentlichen Eigenes, das aber wiederum fremde Erkenntnisse zusammenfaßt. Etwas wie eigene Forschung ist nicht erkennbar. Die Leistung liegt also lediglich im Zusammentragen, Lesen und Verstehen von Fremdtexten.
Das so etwas, welches die Ansprüche an eine Examensarbeit nicht signifikant übersteigt, zum Doktortitel führen konnte, ergibt sich ganz logisch aus dem eigentlichen Kunstgriff der Dissertation:
Mindestens 19% der Seiten enthalten Zitate des Professors, der als Referent die Arbeit – somit zu einem erheblichen Teil seine eigene – zu bewerten hatte. Ebenso wie dem Professor, der als Korreferent tätig wurde und nicht nur auf 4 Seiten zitiert, sondern dem im Text sogar direkt gedankt wird, spricht die Autorin im angefügten Lebenslauf beiden Professoren ihren Dank aus. Ist das nicht blendend! Man hat es hier also nicht nur mit geistiger Dünnbrett-Bohrerei zu tun, sondern eher noch als im Fall Guttenberg mit korrumpierten Professoren – durch was auch immer.

Ach so, das lateinische Zitat: „Je gebildeter einer ist, desto bescheidener ist er."

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