Manndeckung

Pinchball

Liebe Mutter!

Neben dem famosen Essen kann ich hier auch noch meinen Freundeskreis erweitern. Der Herr Adam z.B., mein 1. Zimmer-Miteinlieger, gab immer irgendwelche Geräusche von sich: Nachts schnarchte er – ich wußte nicht, daß man so laut schnarchen kann – und am Tage war seine Lunge derartig voller Schleim, daß ich mich fragte, wo da noch Luft rein soll. Dann wurde ich verlegt, damit der Herr Doktor nicht so weit laufen mußte, und bekam einen Herrn Wöbse mit einem Leistenbruch, der heute operiert wurde. Ein schlichtes aber einfaches Gemüt. Auf diese Weise kam ich wenigstens in den Genuß des Fußball-Weltmeisterschafts-Spiels Argentinien : Rußland. Leider nur die 1. Halbzeit, und ich weiß immer noch nicht, wie es denn nun ausgegangen ist. Jedenfalls hatte Maradona immer Schwierigkeiten mit seinem Manndecker, und der 1. argentinische Torwart hat auch nicht lange gehalten.

Nun habe ich (zum 3. Mal verlegt – bis man mich mal nich mehr wiederfindet) einen alten Darm als Bettnachbarn, von dem gestern 30cm wegen Bösartigkeit abgeschnitten wurden. Aus dem Mann – zudem ist er fast blind – kommen alle möglichen Leitungen. Er ist total verkabelt und gibt beim Schlafen Geräusche von sich wie ein altes Huhn. Aber einen Super-Fensterplatz mit Fernblick besitze ich jetzt, und morgens singen wegen der Echo-Wirkung zwischen den Krankenhaus-Blöcken die Amseln sehr schön.

Lästig sind bloß die vielen Schwestern, von denen es immer wieder neue gibt, die mir diese unangenehmen Anti-Trombose-Spritzen verpassen. Lustig sind sie schon. Heute Morgen wollte mich eine zur Operation abholen, ich habe mich jedoch strikt geweigert. Sie hatte mich mit meinem 2. Bettnachbarn verwechselt. Man muß im Krankenhaus immer mitdenken, sonst wird einem vielleicht irgendwas abgeschnitten, was man noch gebrauchen kann.

Mein Zimmer habe ich heute schon selbst hergerichtet: Die Sessel standen ungünstig, doch konnte ich sie gut tragen. Auch war ich viel zu Fuß unterwegs. Eine Gymnastik-Schwester verlangte von mir einige alberne Bewegungen. Ich habe ihr zwar den Gefallen getan, kam jedoch mit der Koordination manchmal etwas durcheinander: Linkes Bein hoch, rechter Arm, linker Arm, usw.. Ich kann mir solche Abfolgen immer so schlecht merken. Auch hatte sie ein Gerät mit, das ich nich kannte. Da durch muß man einatmen, und beim Ausatmen gibt ein regulierbares Ventil Widerstand. Es ist aus durchsichtigem, grünem Plastik und sicher genau das Richtige für Yanto (Pneumatik!). Ich hab absichtlich nicht so doll ausgeatmet, um nichts kaputt zu machen.

Ihr seht also, im Krankenhaus kann man wirklich was erleben.

Gerade war der weise Dr. Weißmann zur Visite, und ich habe ihm erzählt, wie vorzüglich das Essen ist. Deshalb will er mir morgen die Dränage rausziehen, sofern nicht vorher noch eine Abwasser-Beseitigungs-Sondererlaubnis vom Landkreis eingeholt werden muß (Vom Bohrturm habe ich ja schon erzählt. Er ragt über unser Dorf wie der Eiffelturm über Paris.).

Und jetzt hat es mächtig gebimmelt, und die Diakonissen laufen sicher alle zur Abend-Andacht. Amen!

Diakonisse

Diakonisse auf dem Weg zum „Guten Hirten"
gezeichnet von Uli Alt im Diakonie-Krankenhaus

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