Därme & Beine

Da Vinci Magen-&-Darm

Liebe Mutter!

„So, dann haben wir es wohl geschafft!" sagte der Assistenzarzt und klebte mir ein neues Pflaster mit kleinerer Kompresse auf den verunstalteten Bauch. (Mein damaliger Seminarleiter hat immer gesagt, wir sollten nich „wir" sagen, wenn wir nur die Schüler meinen.)
Der Abführtag war – wie Du schon vorhersagtest – noch sehr häßlich, genauer, die Nacht. Ich hatte die ganze Nacht Durchfall und durch Blähungen verursachte heftige Schmerzen, so daß ich überhaupt nicht geschlafen habe. Am Morgen war es dann aber überstanden, nur bin ich jetzt wieder sehr erschöpft. In der Nacht bekam ich manchmal Panik, wenn wieder diese Kurzatmigkeit einsetzte, weil der Schmerz so stark war.
Heute sieht die Wunde relativ gut aus. Eigentlich sind es 2: ein erstaunlich langer, genähter Schnitt und ein kleiner für die Dränage, die in meinem Fall eine Spezialität ist und normalerweise nicht zur Blinddarm-Operation gehört. Und weil ich nun sehr müde aber erlöst bin, mache ich mal Schluß für heute.

E wie Eingeweide

Rudis Frau ist zurückgekehrt, pustet, schnauft und reiβt das Fenster auf. Ihr Gesicht ist aufgedunsen und fleckig, sie macht einen nervösen Eindruck, friβt Gummibärchen, weil sie sich das Rauchen abzugewöhnen versucht (Rudi hat früher 30-40 Zigaretten am Tag geraucht. Man hört es in seiner Lunge.). Ob es regnet oder stürmt, es ist immer so schwül, immer ganz schlimm. Und Rudi hat Kopfschmerzen, muβ sich wieder hinlegen, nachdem er mit Rollgalgen „Frieda“, die Tropf und Urinbeutel hielt, über den Stationsgang gefegt ist. Soll aber in wenigen Tagen entlassen werden. Dabei sind die beiden so fertig. An Rudi sind eigentlich alle wesentlichen Teile Schrott. Der kommt sicher bald wieder. Hat eh schon Routine. Sie meint:
„Das wird die Luft drauβen sein. Es geht kein Fitzel von Wind.“
Dabei ist herrliches Sommerwetter.
Jetzt fangen sie wieder mit ihrer Lallstammel-Kindersprache an. Ein Zeichen für Intimität.
„Morgen soll es noch heiβer werden“, warnt Rudi.
„Oh Gott!“ stöhnt sie.
Stürzt die Groβe Schwester ins Zimmer und fordert:
„So, und jetzt entspannen wir mal das Bein! (It’s Antitrombosespritzentime! 3x am Tag!) Das Bein ist jetzt in Honolulu.“
„Nää“, sach ich, „nich in Honolulu. Vielleicht Sulawesi?“ (Erst 20 Jahre später werden beide auf Hawaii sein; s.u..)
„Da kenn ich mich ja nu wieder gar nich aus“, seufzt die Groβe Schwester.

Ein anderes Mal fragt die blonde Schwester Antje: „Iss das Seide?“ und guckt mir hinten in den Kimono, wobei sie sich trotz ihrer Gröβe auf die Zehenspitzen stellen muβ, findet aber natürlich kein Schild, weil von meiner Frau selbstgebaut. Schwester Antje malt nämlich auf Seide und ist da schon betrogen worden, denn Polyester nimmt die Farbe nicht an. Ja, wir Künstler haben’s nicht leicht!
Danach stöβt sie mir die Spritze in den Oberschenkel und meint, die sähen schon aus wie ne Landkarte.
„Gemein, nich?“
So isses.

Beine-auf-Hawaii

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