Wie man ein Glückspilz wird

Glueckspilz

Liebe Mutter!

Die Lage ist irgendwie kurios. Einerseits habe ich seit 2 Tagen etwas Fieber (so im Wechsel bis 38,4), so daß der Professor gestern meinte: „Die Wunde öffnet sich. Es ist wohl eine Bauchhöhlen-Infektion." Er hat dann ein kurzes Stück wieder aufgeschlitzt und darin rumgestochert, was ich gar nicht nett fand. Aber Eiter hat er nicht gefunden. Ätsch! Wobei er mich damit beruhigte, daß daran heute niemand mehr stürbe.
Andererseits habe ich gestern eine Schlaftablette bekommen und so gut geschlafen wie noch nie in diesem Hause. Morgens hatte ich kein Fieber, kaum Schmerzen und fühlte mich wie nach einem Heilschlaf zu den Lebenden zurückgekehrt. Dann ging ich zu Fuß zum Lungen-röntgen: Auch da kein Hinweis auf eine Entzündung. Kurz: So gut wie heute habe ich mich seit einer Woche nicht mehr gefühlt.
Mittags hatte ich dann wieder 38˚, aber das belastet mich nicht, und der Assistenzarzt, der gerade die Wunde neu abgeklebt hat, meinte, sie sähe gut aus und hat sie nicht geöffnet. Also subjektiv zumindest geht’s bergauf.

G wie Glück

Prof. Weiβmann: „Eigentlich ist der Mensch viel interessanter, als mancher glaubt. Denkt man z.B. an unaufhörliche Botschaften von fremden Menschen und anderen Wesen; daβ unaufhörlich in unserem Unterbewuβtsein fremde Gedanken ein Echo hervorrufen, das uns zu plötzlicher schlechter Laune, zu Fröhlichkeit, zu Übermut oder zu grundloser Trauer hinreiβt.“
Assistenzarzt Vage: „Für mich hat der Traum immer etwas eigenartig Reizvolles gehabt.“
Weiβmann: „Der Mensch ist auf der Welt, um glücklich zu sein. Im Grunde fühlen wir diese Bestimmung auch alle. Denn jeder Mensch antwortet auf die Frage nach dem sehnlichsten Wunsch, den er habe, immer dasselbe: …“
Vage: „Glück!“
Weiβmann: „Nur wer sich errettet, wer sich meistert, überschreitet den Strom!“

Adermann, der dufte Kumpel, ist wieder nicht gekommen.
„Ein Unterschied wie Tag und Nacht“, höre ich noch im Rausgehen Rudi der Wasserversorgungs-Frau den Unterschied zwischen Adermann und mir beschreiben. Mein Vorlieger Adermann, der Kriminalkommissar für Mordfälle, der mit dem Leistenbruch, der darauf achten muβ, bevor er den Koffer hebt, der sich extra im Bett andersherum gelegt hat, um besser mit Rudi quatschen zu können. Und dann ich! Der Konversationsgeizling, der beobachtet, wie sich die Wörter in der heiseren Kehle bilden, sie lieber verschluckt, sie in den pulsierenden rosa Magen schickt, durch den Dünndarm, wo sie sich am Ende im Wurmfortsatz des Blinddarms entzünden und sich nur als Furzgase im Raum verteilen. Wie muβ Rudi neben mir gelitten haben!
Aber Adermann ist nicht gekommen, obwohl er es mehrfach angekündigt hat, sogar telefonisch. Vielleicht ist ihm sein Bruch dazwischengebrochen oder eine Leiche?

Die Situation ist ähnlich wie in einem südostasiatischen Massage-Salon. Ich hab schon Routine von der Schwanz- und Eierrasur, als eine osteuropäische Hilfskuh von enormer Breite jede Bewegung des Pflegers mit müden Augen beobachtete, wobei sie am Fuβende der Bahre stand. Auch das anschlieβende Ritual des Arschabwischens nach dem Entleerungsklistier fand bei ihr gedämpftes Interesse. Hier wird ausgebildet!
Vor den beiden Damen lasse ich die Hose runter, steige in die Wanne. Die gröβere der beiden kniet am Wannenrand, aber diesmal verschwindet ihr gummigeschützer Finger in meinem Schlitz. Und er hört gar nicht auf zu verschwinden.
„So müssen Sie das machen und dann ein biβchen hin und her bewegen!“
„Nää“, sach ich, „ich geh auch so ungern inne Schlachterei.“ Gelächter.
Ich nehm dann lieber die dicke Spritze und puste damit unter Wasser Örnies rotes Breitmaul aus, während ich es mit 2 Fingern auseinanderspreitze: kleine, rote Wölkchen mülmen heraus und verpieseln sich im warmen, braunen Badewasser.
„Das haben Sie aber sehr gut gemacht“, lobt die groβe, dünne Ärztin, die immer nicht weiβ, was sie mit den Händen machen soll, wenn sie mir auf der Krankenschwester-Laufbahn begegnet und dabei schleudert wie eine Giraffe.
Ich denke: ‚Was solln das? Psychologische Aufmunterung?‘
„Doch wirklich! Wir erleben es oft, daβ Männer dabei umkippen.“
Ja, die Männer!

„Daβ ihnen ein Bart wächst, ist bei Männern ganz natürlich“, erkläre ich der Groβen Schwester auf die zigste Frage warum und wieso, als wir im Zimmer sitzen, ich in Yogahaltung für Anfänger auf dem Bett, und auf die Visite vom Groβen Boß warten.
Das ist also der kleine Unterschied!“ meint sie.
„Unter anderem“, sach ich.

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Ein Gedanke zu „Wie man ein Glückspilz wird

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