Indienfahrt

Indienfahrt

Heute, nach Jahren, über die weißen Blätter gebeugt, die meine Gedanken, meine Freuden und die Bilder und Farben meiner Erinnerung tragen sollen, begreife ich jene Trauer besser. Damals schlug in meiner Brust die Stunde der Umkehr, damals fühlte ich, daß ich hätte bleiben sollen, denn es gibt keine Berührungen und Umarmungen in der Welt, die an Glück denen der Natur zu vergleichen sind, welche unschuldig und großzügig bleiben, und in keinen weiß sich die besondere Art unseres Lebensbewußtseins geborgener. Auch mögen damals heimliche Erinnerungen an die Hast und Willkür des europäischen Treibens in mir erwacht sein, die alles in Begleitschaft und zum Ziel haben, was immer Menschenaufgabe sein mag. Glück führen sie nicht herbei. Der Zustand des Glücks ist nicht ohne die Ruhe zur Selbstbesinnung möglich, denn Selbstbetäubung führt zur Verarmung.

Waldemar Bonsels (1880-1952), „Indienfahrt", 1941 (Einbandgestaltung: Lore Holtz)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s