Deutschlandlied

Freisinn

Eine der Aktionen der „Kulturwochen gegen Gewalt" bestand im Absingen des Deutschlandliedes in schmähender Weise, weil es „von einem rechten Chauvinisten geschrieben" wurde, und es „wirklich nicht mehr in unser modernes, kooperatives, ganzheitliches Denken" passe (so der Text im Versand-Katalog von „2001"). Ein empörter Kollege berichtete es mir. Nun, ich kann mich nicht daran erinnern, es überhaupt jemals gesungen zu haben, weil ich keinerlei Beziehung zu derartigen Ritualen besitze. Als Schüler haben wir aus Trotz die Marseillaise gegrölt. Aber die Gewerkschaft „Medien" brachte 1 Single mit Bert Brechts „Kinderhymne" für „nur 5DM" heraus, die die alte ersetzen sollte:

Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Daß ein gutes Deutschland blühe
Wie ein anderes gutes Land.

Daß die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie anderen Völkern hin.

Und nicht über und nicht unter
Anderen Völkern wolln wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.

Und weil wir dieses Land verbessern
Lieben und beschirmen wir’s
Und das liebste mag’s uns scheinen
So wie anderen Völkern ihrs.

„Ich glaube, ein Hauptimpuls zum Schreiben – jedenfalls für mich – ist schon Rache. Und dann das Nachholen von Dingen, die ich in meiner Geschichte von Begegnungen mit Gewalt unterlassen habe. Das wird im Schreiben dann kompensiert – deswegen auch das dauernde Interesse daran. Mein Lieblingssatz von Goethe ist eigentlich: Gott bewahre mich davor, mich selbst zu erkennen." Heiner Müller

Mein Vorschlag: Goethes „Freisinn"

Laßt mich nur auf meinem Sattel gelten,
bleibt in euren Hütten, euren Zelten,
und ich reite froh in alle Ferne,
über meiner Mütze nur die Sterne.

In der 2. Strophe isser leida vom Pferd gefallen:

Er hat euch die Gestirne gesetzt
als Leiter zu Land und See,
damit ihr euch daran ergötzt,
stets blickend in die Höh.

Und dann gab’s noch die Nachkriegsversion:

Deutschland, Deutschland ohne alles,
ohne Butter, Fleisch und Speck,
und das bißchen Marmelade
frißt uns die Besatzung weg.

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2 Gedanken zu „Deutschlandlied

  1. Pingback: Da lacht der Adler | Memoiren eines Waldschrats

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