Kopfreisen

Kopfreisen

Ich reise ungern.
Was ich sehe, geschieht in meinem Kopf, am Äquator oder anderswo.
Radioaktive Wolken sieht man nicht, ich höre sie im Radio.
Abhauen, ne Fliege oder sich dünne machen, durchbrennen, ab die Post, einfach verdunsten.
(Federzeichnung)

„Gute und böse Winde wehen in der Diaspora, sie begleiten den Diasporisten bei seinem künstlerischen Werden. Immer bin ich mir bewußt, möglicherweise weiterziehen, auswandern zu müssen, bevor es zu spät ist, und so hänge ich beim Malen Tagträumen über andere Orte nach. Ein Traum führt zum nächsten und ändert Form und Richtung des Bildes, wenn die Sehnsucht dem Exilanten heimlich den Pinsel führt. Nicht wenige Bilder entstehen so: diasporistische Bilder eines Möchtegern-Flüchtlings … Der einzige Ort, der eine gewisse Zuflucht vor der unwirtlichen Welt zu sein scheint, ist der Raum, in dem der Diasporist seine Bilder erarbeitet. Sie kreisen um die diasporistische Welt außerhalb seiner Klause und werden von ihr, dem Grauen, das aus Büchern und den Tagträumen, die von innen aufsteigen, bestimmt. Aber alle guten Maler müssen in ihrem Raum bleiben. Nietzsche definiert sehr schön, wie ich meine, Kunst als das Verlangen nach einem Anders-Sein und den Wunsch, eines Anderswo-Seins."
R.B. Kitaj (1932-2007), „Erstes Manifest des Diasporismus", 1988, „If Not, Not"
http://www.glyphs.com/art/kitaj/

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