Widerstand

verhandeln „An alle Schafe: Verhandeln, nicht beißen." (Peter Leger)

Mit dem 1. Krieg gegen den Irak waren die USA zwar dabei, die Fehler des Vietnam-Krieges zu wiederholen – die allgemeine Verwirrung in der Bewertung war grenzenlos – doch hatte man zumindest gelernt, die Medien zu manipulieren, was schließlich zum konstruierten Grund für den 2. Krieg führte (durch Folter erzeugte Falschaussagen und Manipulation der CIA).
Bundespräsident Richard von Weizsäcker bezeichnete den irakischen Staatschef Saddam Hussein und Adolf Hitler als „Feinde der Menschheit". Ihnen Widerstand entgegenzusetzen sei „eine harte, aber unentrinnbare und notwendige Konsequenz". Weizsäcker verurteilte grundsätzlich den Krieg, weil er „unsägliche menschliche Leiden, unwiederbringliche Verluste für Kultur und Zivilisation und zerstörerische Gefährdung der Natur" bringe. Gleichzeitig stellte er die Frage, wer verantworten könne, Unrecht und Gewalt tatenlos geschehen zu lassen. „Würde die Untätigkeit am Ende nicht weit höhere Opfer fordern als verantwortungsbewußtes Handeln." Es gebe keinen Frieden ohne Achtung vor dem Recht.
Griechische Tragödie war angesagt. Jede Entscheidung war falsch. Für einen Teil der Gymnasiasten und Lehrer war die Antwort jedoch klar: Projekttag „Golfkrieg", der hauptsächlich eine öffentliche Demonstration gegen den Krieg war. Damit stand plötzlich alles Kopf, was für die Beziehung Schule und Politik bisher gegolten hatte. Die Schulleitung wie immer hilflos und unfähig.

PROJEKTTAG „GOLFKRIEG" – NEIN DANKE!

Seit 1974 lasse ich an dieser Schule gegen den heftigen Widerstand des Schulsystems von meinen Schülern u.a. politische Themen im Kunstunterricht bearbeiten (z.B. in 13/1 „Realismus"). Gerade kürzlich wurden wieder 2 meiner Abiturvorschläge abgelehnt, weil sich ein indirekter Bezug zum Golfkrieg herstellen läßt, dem die Schüler in der Abitursituation nicht ausgesetzt sein sollen.
Wenn ich dann noch an das Verbot denke, sich in Wahljahren mit Wahlwerbung auseinanderzusetzen, muß ein Projekttag zum Golfkrieg, im Kreuzfeuer einer politischen und besonders auch von der Landesregierung parteipolitisch geführten Diskussion, ja doch überraschen.
Ich sehe mich nicht in der Lage, zu diesem Thema ein Projekt anzubieten, weil ich mit Schülern in dieser Situation nicht einen Vormittag lang politische Diskussionen führen möchte, und mir auch außer allgemeinem Wischiwaschi (z.B. „Kriegsdarstellungen") nichts einfällt, was der Situation und auch meiner eigenen politischen Anschauung angemessen wäre. Ich sehe auch keine Veranlassung, mich von einem Teil des Kollegiums zu einem bestimmten politischen Verhalten zwingen zu lassen, zumal mich das Rumgeseihere der „Deutschen Friedensbewegung" nur noch ankotzt.

Deshalb gibt es bei mir am 13.3.91 stundenplanmäßig Unterricht.

gez. Dobat

Ich hatte immer den Eindruck, daß es Kollegen gab, die sich in der Zwangsjacke ihrer Lehrpläne so sehr langweilten (wohl auch in ihrer Lebensführung), daß sie – ebenso wie Schüler – jede Gelegenheit nutzten, regulären Unterricht zu vermeiden. Mein Unterricht war aber nich langweilig – jedenfalls nich für mich – und dieser ganze krampfhafte Projekt- und Musical-Scheiß störte bloß die Verwirklichung meiner Projekte.

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