Fast perfekter Mord

im-Rad

Daß Tiga schwul iss, wäre an sich noch kein Grund, ihn umzubringen. Wirklich unangenehm iss seine Heterosexualität. Wie er’s zum Beispiel mit seiner Mutter treiben will, oder wenn er einem vor Begeisterung ans Bein pißt, daß der Raum noch 2 Tage danach stinkt. Und dann isser einfach zu viel, schon rein optisch. 2 Katzen und 2 Kater – wirklich reichlich.

Mein Gewehr habe ich schon lange vorher in den Heizungsraum gebracht, im englischen Kavalleriefutteral, den Hut drauf, so fällt es kaum auf.
Nie paßt es so richtich, obwohl ich ihn genau beobachte, sofern er nich gerade wieder irgendeiner Mieze nachsteigt. Mal iss die Familie mit ihrem Zartgefühl anwesend, mal sitzt er zu ungünstig, so daß man nich weiß, wo die Kugel noch hinfliegen könnte. Collateral damage beim Nachbarn? Das wär peinlich.

Heute, die Familie war zum Einkaufen gefahren, ging ich nachschaun. Kein Tiga da. Na ja – dann ein anderes Mal, denke ich und will wieda reingehn. Plötzlich seh ich ihn sich genau an der Stelle sonnen, die ich für ideal halte. Da liegt er nun, noch seidich jugendlich, aba doch schon ziemlich versaut. Regelmäßig hängt ihm ein Stück Bandwurm zum Arsch raus, den er später dann auf dem Teppich ablegt. Die Familie iss ja soo tierlieb! Ich dagegen mach überzählige Katzen um, sofern ich nich gerade mit ihnen befreundet bin. Man muß das erlebt haben, wie 7 Katzen ein Haus unbewohnbar machen, oder 5 Kater in die Garage pissen oder an Heck- und Frontscheibe des Wagens. Und wenn die Nachbarn mit ihrem fiesen Schäferhund unsere Muschi, die ganich unsere Muschi iss, mit Steinen bewerfen, dann kann ich ja wohl IHREN Tiga, der hier nur zum Essenfassen und Ficken erscheint, aba dabei immer sehr freundlich iss, das Leben aus dem Schädel blasen.
Soll ich nu oda nich? Wie das Sonnenlicht so auf seinem schwarzbraungrau getigerten Fell rumtanzt, muß ich an Adamson denken:

mit-Gemuet

Ich geh rein, meine Brille holen, wieda raus, das Gewehr holen – und Tiga iss wech. Da sitzt er nun ganz ungünstig vor dem Heizungshaus und wartet, wie die 3 anderen, auf Futter, dieser Mistkerl. Ich geh rein, hol das Gewehr raus, Tiga kuckt mich an, die 3 anderen auch. So geht das nich!
Ich warte, Tiga auch, blinzelt mich an in der Sonne. Nix tut sich. Ich geh wieda rein ins Heizungshaus, hol Futter und denke, danach wird er sich an die Hecke zur Verdauung legen. Tut er aba nich sondern setzt sich wieda in die ungünstige Position vorm Heizungshaus. Vielleicht gips ja noch mehr Futter! Gips auch. Danach legen sich alle und lecken sich sauber. Nur Tiga nich! Der steigt auf den Baron und will ihn in den Arsch ficken. Jetzt reicht’s! Ich geh hin und hocke mich vor die beiden, Tiga fest im Nacken von Baron verbissen und auf ihm rumtrampelnd. Baron brummt, sieht mich und die Gewehrmündung, will wech, kann aba nich. Tiga iss ganz bei der Sache, drückt konvulsivisch mit dem Unterleib und stampft auf Baron rum, der zunehmend saurer wird. Ich schiebe den Lauf parallel über Barons Kopf, die Mündung fast bis auf die Stirn von Tiga, der so wech iss, daß er nie wiederkommen wird.
Ein trockenes PAFF, der Knall wird von Tigas Schädel absorbiert, Blut spritzt aus seinen Ohren, er kippt zur Seite, Baron rast davon – jetz wahrscheinlich etwas schwerhörig. Tiga zuckt nur noch mit dem Leib. Immer wieder federt er mit den Hinterbacken hoch, schleudert mit geschlossenen Augen den blutenden Kopf hin und her und bespritzt meine Gummistiefel.

Nu sacht selbst: Iss das nich n schöner Tod! Mitten im Orgasmus, Sperma quillt noch aus seinem Pimmel raus. Ich nehm ihn am Schwanz und vergrabe ihn im Moor. Er hat große, bernsteinfarbene Augen, als er im Torfgrab liegt, wie ich sie noch nie zuvor gesehn hab.

Dann beginnt das Beseitigen der Spuren. Das Blut, das bis in den Futternapf gespritzt iss, muß ich mit den Fingernägeln rauskratzen. Erstaunlich schnell geronnen und festgeklebt. Mit Wasser spüle ich den Grasboden, manisch, mit einigen Blicken über die Schulter. Wie in „Psycho", dem ersten amerikanischen Film, in dem man eine Toilettenspülung zu sehen und zu hören bekam, wird gewischt, bis keine Spuren übrig sind. Das Gewehr säubere ich mit Öl, nachdem ich die 2. Patrone aus dem Lauf gefluppt hab und hänge es zurück an seinen Platz. Spurenlos.

Zutiefst befriedigt setzte ich mich zur Meditation, begleitet von Kitaros „Kojiki", in Betrachtung des Teiches und der Ordnung, die ich hergestellt habe – als sich meine Augen weiten, denn ein Igel schwimmt gemütlich im Wasser. Nein! Es iss kein Igel, es iss eine riesige Bisamratte.
Ich springe auf, rase 2 Backhaus-Stockwerke nach oben, Brille auf, Gewehr raus aus dem Lederfutteral, Kugelbeutel auf, 3 Patronen ins Magazin, durchgeladen, Fenster auf – Kitaro spielt noch, hoffentlich stört das die Ratte nich! – nein, sie schwimmt immer noch halb untergetaucht am Rand und sucht nach Pflanzen. Dann dreht sie Richtung Auslaufrohr ab und zieht langsam durch den ganzen Teich. Über Kimme und Korn folgt ihr mein Gewehrlauf, ich halte etwas vor – diesmal ein ordentlicher Knall – sie dreht sich deutlich getroffen auf die Seite, ich repetiere, die Hülse fluppt raus, nächste Patrone rein. Die Ratte bleibt leicht zuckend auf der Stelle schwimmend.
Ich runter, wieder Gummistiefel an, Mistforke raus, das Viech aus dem Wasser gefischt, den Katzen vorgelegt (Kein Interesse!) dann zur Besichtigung der Strecke für die Familie ausgelegt: männlicher Bisam, Gesamtlänge 53cm (30 Körper, 23 Schwanz – wie eine breitgetretene Schlange). Schöner rotbrauner Pelz, Einschußloch in Rückenmitte.
Nun wieder aufräumen: Gewehr säubern, zurück ins Futteral. Restliche Patronen rausgefluppt und in den Beutel. Der 2. perfekte Mord. Moment! Was iss mit den Patronenhülsen? So ein blöder Fehler. Also los, suchen! Die vom letzten Schuß finde ich draußen unter dem Fenster, aba die andere an der Tigamordstelle iss wech. Irgendwo in der Vegetation. Alles aus. So ein blöder Fehler!
Resigniert höre ich das Martinshorn,
das Zuschnappen der Handschellen.
Wegen einer Patronenhülse.
Alles aus.

Cartoon aus O. Jacobsson (1889-1945), „Adamson"

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Ein Gedanke zu „Fast perfekter Mord

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