Unio mystica

Bosch-Antonius

„Der Herr aber ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“ Paulus 2.Korintherbrief 3,17

Anders als die frühere, als typischer erscheinende Darstellung der „Versuchung des hl.Antonius“ (Lissabon), strahlt diese Version von Hieronymus Bosch (Ausschnitt; Prado, Madrid) erstaunliche Ruhe aus. Die wenigen Ungeheuer, die sich auf ihn zubewegen, werden von ihm nicht mal mehr wahrgenommen. Er hat sich völlig von der Welt zurückgezogen und starrt ins Leere. Auch sein Schwein läßt sich nicht beeindrucken. Trotzdem scheint es unmöglich, die Welt zu überwinden, zu vergessen oder zu einer Utopie hin zu verwandeln. Dafür bleiben im Hintergrund immer noch zu viele Manifestationen von Unsicherheit, Angst, Aberglaube und Dummheit übrig. Deshalb nannte Carl Linfert das Werk ein „Wunschbild“.
Geradezu ketzerisch erscheint die Selbsterlösung des Antonius. Dies in Übereinstimmung mit der Annahme, daß Bosch einer „Bruderschaft vom Gemeinsamen Leben“ oder der „Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern des freien Geistes“ oder der Bruderschaft „Illustre Lieve Vrouw Broederschap“ angehörte. „Diese Bruderschaft, die in 1318 gegründet wurde, besteht heute noch und widmet sich der Marienverehrung und der caritativen Arbeit. Viele Kirchenvertreter und Intellektuelle, darunter auch Mitglieder des Königshauses von heute, waren und sind noch als Mitglieder dieser Bruderschaft eingetragen.“ Vermutet wird ferner, daß der Maler den Lehren des Jacob von Almaengien folgte. In jedem Fall war Bosch gnostischen Vorstellungen sehr nahe, denn dieser Antonius benötigt weder Kirche noch religiöse Virtuosen für seine Meditation. Deshalb können die meisten seiner Gemälde unmöglich für kirchliche Zwecke bestimmt gewesen sein. Wie groß jedoch die Verwirrung in der Bosch-Rezeption ist, zeigt die wahrscheinlichere Annahme, daß dies nicht sein letztes sondern ein sehr frühes Werk ist: „Peter Klein’s dendrochronological analysis showed that it was painted around 1468 when Bosch was 18!“

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