Kopf-Freiheit

Figuren-aus-Rotenburg

„Das Bild oben wurde von dem Aaltener Maler Cyr Frimout (54) gemalt und stellt Rotenburger Motive dar. Das andere Bild mit Aalter Motiven wurde von dem Künstler Thomas Dobat (45) geschaffen. Gestern hielt sich der Architekt des Kantor-Helmke-Hause, Gerhard Müller-Mencken (76; rechts), Bremen, in Rotenburg auf und prüfte, wo der günstigste Platz für das Gemälde (1,70 x 1,20m) des Aaltener Künstlers ist.“ (Kreiszeitung)

Liebe Mutter, lieber Erich,

heute war die High Society – also wir natürlich auch – zur Einweihung des neuen Kulturhauses geladen. Es handelt sich um eine hübsche ehemalige Volksschule im neogotischen Stil, die um eine moderne Bibliothek erweitert worden ist. Im Treppenhaus prangte mein Bild (vorläufig bis zur Übergabe in Belgien), und bei der Feier im Dachgeschoß wurde das Bild des belgischen Kollegen an die Stadt übergeben. Das Buffet war kalt und saumäßig. Der Architekt (s.o.), ein kleiner, verbogener Mann, der kurz vor den ewigen Jagdgründen zu stehen schien, erklärte den Bau und besonders die restaurierte Dachstuhl-Konstruktion des Versammlungsraumes. Nachdem er anfangs hinter dem Rednerpult verschwunden war, um sein Manuskript zu suchen, trat er während seines Vortrags seitlich raus, um auf die besonderen Vorzüge der Balken-Konstruktion handgreiflich hinzuweisen: „Sehen Sie, wenn diese Ständer nicht schräg stehen würden, könnten Sie dort gar nicht sitzen.“ Danach wollte er zum Pult zurück, drehte sich um und RUMMS stieß er mit dem Kopf – hörbar bis in die letzten Reihen – gegen die gerade gerühmte Balken-Konstruktion. Zwar wollte er deutlichmachen, daß gute Architektur auch auf das Herz wirken müsse, diese wirkte jedoch nachhaltig auf den Kopf. Keiner hat gelacht! Aber es war nicht leicht, ernst zu bleiben.
Danach sprach ich noch mit einem frühpensionierten Kunsterzieher vom hiesigen Wirtschaftsgymnasium, dem der Streß seines Berufes einen Hörsturz beschert hat. Einige Belgier waren auch anwesend und sehr zufrieden mit meinem Bild.
Bei der gestrigen Einweihung des neuen Erlebnisbades ist unser Bürgermeister in der Rutsche steckengeblieben.

ausgestellt

Boschs berühmtestes Bild „Der Garten der Lüste“ bekam im Laufe der Zeit verschiedene Titel. Einer lautete: „Von der Eitelkeit des Ruhms und dem kurzwährenden Geschmack der Erdbeere“. Während Cyr Frimout von der deutschen Partnerstadt mit mehreren ausführlichen Darstellungen in der Zeitung und einer repräsentativen Einzelausstellung gewürdigt wurde, nahm die belgische Stadt Aalter von mir praktisch kaum Notiz. Die eigentliche Übergabe meines Bildes, bei der ich auch noch wegen plötzlicher Erkrankung abwesend war, ging im Trubel der Einweihung des neuen Gemeindehauses in Aalter fast unter. Trotzdem hat das Projekt Dank des engagierten Einsatzen von Heinz Gehnke vom Info-Büro Rotenburg viel Spaß gebracht.

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Ein Gedanke zu „Kopf-Freiheit

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