Homer, „Odyssee“

unter-Lotophagen

… Aber als wir die Schiff‘ um Maleia lenkten, da warf uns plötzlich die Flut und der Strom und der Nordwind fern von Kythera. Und 9 Tage trieb ich, von wütenden Stürmen geschleudert, über das fischdurchwimmelte Meer; am 10. gelangt ich hin zu den Lotophagen, die blühende Speise genießen.
Allda stiegen wir an das Gestad und schöpften uns Wasser. Eilend nahmen die Freunde das Mahl bei den rüstigen Schiffen, und nachdem wir uns alle mit Trank und Speise gesättigt, sandt ich einige Mánner voran, das Land zu erkunden, was für Sterbliche dort die Frucht des Halmes genössen: Zween erlesene Freund‘; ein Herold war ihr Begleiter. Und sie erreichten bald der Lotophagen Versammlung. Aber die Lotophagen beleidigten nicht im geringsten unsere Freunde; sie gaben den Fremdlingen Lotos zu kosten. Wer nun die Honigsüße der Lotosfrüchte gekostet, dieser dachte nicht mehr an Kundschaft oder an Heimkehr, sondern sie wollten stets in der Lotophagen Gesellschaft bleiben und Lotos pflücken und ihrer Heimat entsagen. Aber ich zog mit Gewalt die Weinenden wieder ans Ufer, warf sie unter die Bänke der Schiff‘ und band sie mit Seilen. Drauf befahl ich und trieb die übrigen lieben Gefährten, eilend von dannen zu fliehen und sich in die Schiffe zu retten, daß man nicht, vom Lotos gereizt, der Heimat vergäße …

IX. Gesang, 80-100
http://insellos.wordpress.com/2012/01/13/lotos-regentropfen/

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Ein Gedanke zu „Homer, „Odyssee“

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