Im Staub des Raumes

Alberto-Giacometti

In einem Hörspiel über Alberto Giacometti (1901-1966) von Anders Nymann (*1955 Schweden), muß der Künstler über Selbstmord nachdenken und dabei von der Selbstverbrennung „indonesischer Mönche“ (sic!) reden. Gemeint sind wahrscheinlich vietnamesische, von deren Selbstverbrennungen Giacometti nichts gewußt haben kann – schon weil der Zeitpunkt des Hörspiels „irgendwann Mitte der 50er Jahre“ angesetzt ist. „Es geht darum zu zeigen, was vom Menschen übrigbleibt, wenn das Scheinbild weg ist.“ Der Schwede war 11 als Giacometti starb, deshalb kommt er auch über Scheinbilder nicht hinaus: „Eine tote Schlangenhaut raschelt.“

Giacometti sprach immer wieder über die Unmöglichkeit, Plastik zu machen. Deshalb wäre auch eine Ausstellung nicht möglich. Die wollte er nur machen, wenn er ein Stück weiter gekommen sei – und wäre es nur ein winziges Stück (James Lord, „The Vision of Alberto Giacometti“). „Je länger ich daran arbeite, desto mehr spüre ich, was für eine komplexe und schwierige Aufgabe es ist. Ich könnte den Rest meines Lebens darüber zubringen, einfach zwei Stühle und einen Tisch zu zeichnen.“
Giacometti war „in der Gleichgültigkeit gegenüber jeder bürgerlichen Lebensweise, im unbedingten Willen zur Freiheit: ein WALDSCHRATT auf dem Pariser Asphalt“ (Gotthard Jedlicka). Da er keine Uhr besaß, pflegte er die Zeit auf einem öffentlichen Chronometer abzulesen. Seiner Frau kaufte er keine Möbel, sondern malte ihr ein Stilleben an die Wand. Seine Geliebte versorgte er jedoch mit einer weitaus luxuriöseren Unterkunft. „Je mehr man scheitert, desto erfolgreicher ist man.“

Foto: „La table surréaliste“, 1933

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