Heimat – Auf dem Weg dorthin

Haus-Vater-Sohn

„Ich fühle mich fremd bei Deutschen, die mir sagen, mit Natur, mit Landschaft hätten sie nichts am Hut. Ich kann mich wohlfühlen bei Hirten, Fischern, Bauern fremder Völker, an den Abenden bei ihnen sitzen, in der Landschaft, wo sie tagsüber ihrer Arbeit nachgegangen sind, am Wasser, im Gebirge, auf den Feldern, denn ich finde in ihren Gesichtern, Augen, Gesten, was mir vertraut ist. In ihren Liedern, die ich nicht versteh‘, in ihrer Musik begegnet mir Heimat. Verfremdet.
Aber ich fürchte mich, bei denen zu sitzen, die Trachten, Lieder, Blasmusik, Spruchweisheiten, Mundart gepachtet haben, wie auf Bannern als Zeichen für Heimat vor sich hertragen. Ich fürchte mich vor den Wörtern Brauchtum, Volkstum. Mir graust vor den Relikten einer längst untergegangenen Welt, vor Giebel- und Fachwerkseligkeit, den neuen hölzernen Brunnentrögen und handgeschnitzten Wegweisern, den Deichseln, Wagenrädern, Dreschflegeln an Hauswänden, den Spinnrädern, Kupfergeschirren in den Stuben, der ganzen Gartenzwergkultur.“

Margarete Hannsmann (1921-2007), „Heimatweh oder: Der andere Zustand“ in „Die Ohnmacht der Gefühle – Heimat zwischen Wunsch und Wirklichkeit“, Jochen Kelter, 1986

Eine Ursache für Margaretes Verklärung fremder Völker lag wohl in der eingestandenen Unfähigkeit, andere Sprachen als Deutsch zu verstehen. So blieb ihr Kontakt romantisch.
Gut zu lesen: „Pfauenschrei – Die Jahre mit HAP Grieshaber“, 1989

Gartenzwerg-87

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