Nie wiedersehen

auswandern

„Journal am Sonntag“ vom 16.7.2000
Aaltje und Thomas Dobat wandern morgen nach Indonesien aus

„Ich glaube kaum, daß ich diese Region in meinem Leben noch einmal sehen werde. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mit diesem Thema abgeschlossen“. Thomas Dobat (52) wird morgen auswandern, sich zusammen mit seiner Ehefrau Aaltje (51) im Norden der indonesischen Insel Sulawesi (früher Celebes) ein neues Zuhause aufbauen. (Originaltext: „…in der Nähe von Sulawesi im Norden der Insel Celebes ein neues…“ ARRGH!)
Der Entschluß, Deutschland auf immer den Rücken zu kehren, ist ziemlich genau 14 Jahre alt. „Das Atomunglück in Tschernobyl hat uns zum Nachdenken gezwungen, seither haben wir unseren Abschied geplant“, schildert Thomas Dobat einen der Hintergründe.
1975 lernte Thomas Dobat seine Frau Aaltje kennen, eine gebürtige Indonesierin, die hier im Pflegedienst in der Dialyseabteilung arbeitet. Gemeinsam besuchten die beiden immer wieder die Heimat der Frau und planten die Auswanderung minutiös. Selbst mehrere Modelle ihres neuen, noch zu bauenden Hauses wurden erstellt. Dieses soll mitten in einer Reisplantage am Fuße des Vulkans Klabat mit Blick auf den Pazifik entstehen.
Bis vor einem Jahr war Dobat am Ratsgymnasium als Kunsterzieher tätig, bevorzugt als Maler selbst starke Farben und exotische Motive, was er auch mittels zweier Bilder dokumentierte, die er zum Abschied der Stadt schenkte.
„Unsere neue Heimat ist nicht das Paradies, aber einfach schön. Die Menschen dort sind äußerst sympathisch“, beschreibt der 52-Jährige einen wesentlichen Teil von dem, was dort auf ihn zu kommt. Hinzu kommt die Garantie für ein naturnahes Wohnen, was er allerdings auch hier schon umzusetzen versuchte. Im Garten am Haus im Borchelermoor kommt sich der Betrachter vor wie in einem Urwald, eine streng nach ökologischen Regeln ausgerichtete Lebensweise ist auch im Haus, das er heute endgültig verläßt, schon nachvollziehbar.
Wenn Aaltje und Thomas Dobat morgen in Bremen ins Flugzeug steigen, steht ihnen eine Reise von etwa 20 Stunden bevor, bevor sie in der Inselhauptstadt Manado landen werden. Schon jetzt ist dem ehemaligen Lehrer klar, daß der Rest seiner Lebenszeit, auch wenn sie noch sehr lang sein sollte, kaum reichen wird, die neue Heimat vollständig kennen zu lernen. Angst vor politischen Unruhen haben die Dobats nicht. „Das Gebiet, in das wir ziehen, ist in der Hauptsache von Christen bewohnt. Auch in Krisenzeiten blieb es dort sehr ruhig“, schildert Dobat.
Schwieriger wird es mit den klimatischen Bedingungen. Sulawesi ist nicht weit vom Äquator entfernt und bietet eine Luftfeuchtigkeit wie in einer Sauna. „Aber nach etwa zwei Wochen hat man sich auch als Mitteleuropäer darauf eingestellt“, weiß der Noch-Borcheler zu berichten.
Eine Verbindung in die Bundesrepublik bleibt auf jeden Fall bestehen: die per Internet zu seiner Bank. „Ich weiß, daß ich in diesem Land als Gast betrachtet werde und muß mich in jeder Hinsicht auch so benehmen“, weiß Dobat, der in den vergangenen Jahren die finanzielle Grundlage vorbereiten mußte. Ohne den Nachweis, daß er seine Frau und sich ernähren kann, hätte er keine Aufenthaltsgenehmigung erhalten. „Das Ersparte sollte reichen, zudem wollen wir dort als Reisbauern arbeiten“, verriet er im Gespräch mit dem JOURNAL.
26 Bücherkisten und unzählige Koffer sind schon seit Tagen per Schiff auf dem Weg nach Indonesien. Die Dobats werden früher eintreffen, am Dienstag gegen 6 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit.

hausentwurf-8.99

Und dann war ich weg – wenn da nicht noch meine Mutter gewesen wäre …

Advertisements

3 Gedanken zu „Nie wiedersehen

  1. Hallo Thomas und Aaltje,
    Ich habe 10 Jahre in Nordsulawesi gearbeitet 1992 – 2002 und dort geheiratet. Dann bin ich mit meiner Familie nach Sumatra gezogen wo ich jetzt wohne. Ich war 5 Jahre alt als meine Eltern 1968 aus der Schweiz nach Indonesien (Jawa) ausgewandert sind. Vor 4 Jahren habe ich die Indonesische Staatsbuergerschaft erhalten und seit Februar2012 habe ich auch wieder ein kleines Projekt in Manado, wo ich auslaendischen Investoren helfe ihre Firma wieder auf Vordermann zu bringen. Nordsulawesi ist ein sehr schoener Ort aber man muss gewaltig aufpassen, dass man nicht voellig abgezockt wird. Das hat nicht unbedingt damit zu tun, weil man Auslaender ist, sondern einfach gesagt mit der Kultur in diesem Teil Indonesiens. Wenn man nicht weiss wie man es hier macht (ich meine wie man von Anfang an alles richtig einfaedelt) und dies wissen auch die meisten Indonesier nicht, kann man gewaltig ins Fettnaepfchen treten. Wenn man richtig beraten wird, kann man in Nordsulawesi ein sehr schoenes Leben haben. Dies nur als Tipp nicht zum entmutigen. Matthias

  2. Das ist sehr interessant und sehr treffend, Matthias, was Du da schreibst. Aaltje ist gerade von Bali zurück, wo man ihr erzählt hat, die Korruption sei dort noch schlimmer. Wie dem auch sei, wir sollten uns mal treffen, wenn Du wieder in Manado bist (Deine Fische habe ich massenhaft in meinen Teichen!).
    Salam hangat von Tom

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s