Alien Control

alien control

20.8.2001
Liebe Mutter,
ich habe z.Z. großen Baustreß. Unsere Arbeiter bauen – wenn sie überhaupt kommen – jeden Tag neuen Mist. Sie können weder gerade mauern, noch Rohre verlegen. Und alles selbstmachen, kann ich auch nicht mehr. Immerhin hatten wir kürzlich schon Premiere auf unserer Pazifik-Veranda. Das Panorama ist einfach umwerfend.
Nach wie vor wird früh aufgestanden (um 5). Dafür sorgt schon die Kirche gegenüber (Vielen Dank, lieber Gott, für Deine Fürsorge, aber könnte es nicht um 7 sein?). Dann geht Aaltje erstmal zum Bauplatz, um unsere Hühner aus dem Stall zu lassen. 3 haben wir jetzt und 1 Hahn von wunderschöner Urrasse. Legen fleißig Eier. Jetzt brüten sie sogar, gucken schief, wenn man in den Stall kommt, und der Hahn weiß nicht, was er machen soll.
Auch in unserem gemieteten Haus gibt’s viele Tiere: Ratten, Kröten, Kakerlaken, Mücken und vielerlei Ameisen. Auf dem Baugrundstück kommen dann noch die Vögel und Schlangen dazu. Neulich fand ich eine ~1,80m lange, ziemlich tote und brachte sie zu den Bauarbeitern. Unser Bauleiter (der 3.) erklärte, daß diese Sorte zwar nicht giftig sei, aber man könne sterben, wenn sie einen anhauche. Ich tippe eher auf Mundgeruch. Mit solchem Unsinn haben wir täglich zu tun. Wußtest Du schon, daß ein Regenbogen so heiß ist, daß er sogar eine unserer Kokospalmen hat braun werden lassen? Konnte man genau sehen, daß er in der Palmen-Krone endete. Und jetzt ist sie braun.
Am Sonntag – sonnabends hatte ich gerade Staub gesaugt – gab es mal wieder ein bißchen Erdbeben, diesmal mit Aschenregen und starkem Wind. Unser weißer Jeep sieht jetzt grau aus.
Und dann waren wir im Juli mal wieder zwangsweise und kurz in Davao, weil Australien ein Visum verlangt. Dort wurde mir im Gedränge eines Jeepney von einem jungen Burschen der Verschluß meiner Leder-Gürteltasche durchtrennt und all unser Geld gestohlen. Zwar sprang ich ihm und seinem Helfer mitten auf einer mehrspurigen Straße hinterher und verfolgte die beiden bis in einen Slum, wo ich sie jedoch aus den Augen verlor. Im Hotel mit Pazifik-Blick konnten wir erleben, wie sich nachts unter dem Ansturm der Wellen die betonierte Ufer-Promenade zerlegte. Die Betonpfeiler des Hotels zitterten noch in ~100m Entfernung wie unter Artillerie-Beschuß. Später drang ein Hotel-Angestellter in unser Zimmer ein, aber zum Glück wachte ich rechtzeitig auf. Philippinen – nein danke!
Ach ja, und unser verwandter Mitbewohner (Alkoholiker und Fahrer) ist von einem der zahlreichen Dorf-Verrückten, der mich auch auf dem Kieker hat, mit einem Luftgewehr in den Arm geschossen worden. Das Blei-Geschoß war auf der Röntgen-Aufnahme gut zu sehen. Ist schon hübsch lustig hier. Mal abgesehen von dem Engländer, der gefesselt in seinem Segelschiff an eine der uns vorgelagerten Inseln angetrieben wurde. Jetzt liegt er in Manado im Krankenhaus.

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