Kein Feedback

cattle egret

15.2.2002
Liebe Mutter,
wie bei meinem Sohn habe ich ein wenig das Gefühl, ins Leere zu kommunizieren, denn Kommunikation bedeutet, daß es ein Feedback gibt. Aber da kommt wenig von euch zurück.

Ich sitze wie fast jeden Morgen um 5 am PC, weil mich so ein hysterisches Weib mit ihrem christlichen Sehrlautsprecher-Geschrei nicht mehr schlafen läßt. „Terima kasih, bapak!“ Vielen Dank, Vater? Für was?? Für den Lärm? Für Suff, Betrug, Typhus, TBC, Allergien, Kakerlaken, Ratten, Schlangen und Anarchie? Für Dreck und Geschmacklosigkeit? Wer sich wirklich verantwortlich fühlt für ein ordentliches Leben, glaubt nicht sondern denkt nach. Aber diese schizophrenen Christen hier wissen nichts von Satre, betreiben ihre Religion wie in einem Karaoke-Club, während sie ansonsten sich und andere schamlos betrügen und schädigen. Da hat unser Tischler, der einer reichen und angesehenen Sippe angehört, doch tatsächlich unser Holz verkauft, das auf seinem Gelände lagerte. Eine ganze Wagenladung angeblich gestohlen. Das glaubt ihm hier niemand. Fast 1 Jahr hat Aaltje gebraucht, um das Holz zusammen zu bekommen. Und nun das! Wenn meine rechtliche Situation in diesem Land nicht so wackelig wäre, würde ich – wie landesüblich – den Mann zusammenschlagen und mir mit einem LKW holen, was noch zu finden ist. Aber sein Hof ist leergefegt, weil er anscheinend völlig pleite ist. Ab und zu arbeitet er für IKEA. In diesem Stil läuft das ohne Ende. Nach Aussage eines Verwandten gibt es hier 1% anständige Leute. Aber, abgesehen von den Moslems, 100% inbrünstige Christen, die sich in der Bibel auskennen. Bloß mit den 10 Geboten hapert es. Die Polizei sitzt derweil bei Schnaps und Kartenspiel mit den Ganoven zusammen. Ansonsten sind die Zeitungen täglich voll mit Enthüllungen über Terrorismus-Verbindungen radikaler indonesischer Moslems.

Doch geht hier wie jeden Tag golden strahlend die Sonne auf, über dem Pazifik-Horizont liegt ein gleißender Schein, und da hinten muß auch unser neues Dach strahlen, an dem ich mich nicht sattsehen kann. Zwar bedeckt es nur unseren Kfz-Tempel, aber immerhin soll es heute fertig werden. Chinesisch wirkend in Form und Farbe, ruht es auf 6 Beton-Säulen, und fügt sich mit seinem speziellen Grün ganz zauberhaft in die Landschaft. Die Dachziegel sind das beste und teuerste System, das es hier gibt, müßten ganz exakt zusammenpassen, tun es aber natürlich nicht. Das kann man von 2x gebrannten, matt glasierten Ton-Ziegeln auch nicht erwarten. Deshalb mußte meine Berufschul-Klasse jeden Ziegel einzeln einpassen. Das hat sehr aufgehalten, weshalb sich auch der Rest des Hauses stark verzögern wird. Immerhin haben wir jetzt ein Muster, vor dem die Wilden glotzend stehen, als ob sie solch einen soliden deutschen Dachstuhl aus schwerem, rötlichem Holz noch nie gesehen haben. Haben sie auch nicht.

Gestern reinigte ich wieder ein Stück saluran. Das sind die Wassergräben, die unsere Reisfelder versorgen. Als ich fertig war, über und über mit Schlamm bespritzt, und mich umdrehte, um den nun wieder bewegt über Steine plätschernden Bach zu betrachten, schlängelte sich gerade so eine 30cm Anfänger-Schlange von meinen Gummistiefeln weg, die voll mit Wasser waren. An einer anderen Stelle befindet sich ein Busch, der ein Stammsitz für eine dünne Endlos-Schlange ist, bei der man nie genau weiß, wo die Schlange aufhört und der Busch anfängt. Aber sie interessieren sich nicht für Menschen – außer man provoziert sie wie Aaltje neulich – dann biegen sie sich in Angriffs-Haltung. Ohne die Schlangen wären die Ratten noch frecher. Später traf ich noch 1 kleinen Aal, und neulich klemmte 1 Krebs an einem meiner Finger. Ist immer was los hier. Über mir fliegen – während ich mit meiner neuen Stihl-Motorsense die Wiese mähe – große Graureiher, die kleinen, weißen Kuhreiher setzen sich auf die Brahman-Rinder und ich mich in die Ameisen. Frische Bambus-Schößlinge schießeln aus dem Boden, daß man aufpassen muß, sie nicht gleich wieder abzusensen.
Auch unsere Hühner entwickeln sich prächtig. Mit Eiern und Reis sind wir schon Selbst-Versorger. Der Nachwuchs-Hahn „Winnetou“ übt noch. Ab und zu fällt er von einer Henne, dann bekommt er auch noch Hiebe von derselben. Den alten mußten wir wegen ständiger Ungezogenheiten verkaufen.

Es könnte alles gut werden – oder nicht.

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