Ende eines Alptraums

tote-Mutter

Am 6.2.2007 starb meine Mutter 87jährig im Heim „Pro Senium“ in Rotenburg / Wümme. Ich weiß fast nichts darüber. Die Heimleitung verweigerte mir jegliche Information mit der Begründung, ich sei nicht der Betreuer.
Bezeichnend für ihren geistigen Verfall war, daß sie meinen Sohn, der sich bis zum Ende um sie kümmerte, mit mir verwechselte, und anfing, Bestecke aus dem Eßsaal in ihrer Nachtisch-Schublade zu sammeln. Eine komplette Besteck-Garnitur aus Silber gehörte immer zu ihren fundamentalen Interessen. Der ordentlich gedeckte Tisch war wesentlicher Teil des bürgerlichen Theaters – weshalb ich entsprechende Restaurants noch heute möglichst meide. Nach ihrem Tode war noch 1 Rechnung in Höhe von 10.000EUR für 1 Diamanten zu bezahlen, den sie aus Israel bestellt hatte. So versöhnte sie sich wenigstens noch im Zustand der Unzurechnungsfähigkeit mit den Juden. Das Fixiertsein auf’s Materielle erklärt sich nicht nur aus dem Trauma, den gesamten Besitz und die Heimat an die Russen verloren zu haben. Es war vor allem Ersatz-Befriedigung und Halt in einer von ihr unverstandenen Welt. Abgesehen vom Erlebnis des Krieges und der Flucht hat sie nie bedeutende Schicksals-Schläge erfahren. Materiell waren ihr alle Möglichkeiten zur Gestaltung eines erfüllten Lebens geboten worden. Aber sie hat es nicht verstanden, daraus etwas Sinnerfülltes zu machen.

Begleitet bis zum Tod hat sie eins meiner Gemälde: Ein Moorweg zwischen Feldern bei strahlend sonnigem Himmel. Doch die Idylle trügt. Der Boden ist von mit Wasser gefüllten Spuren von Trecker-Reifen zerfurcht, und am Himmel zeigt sich auflösend der Kondens-Streifen eines Flugzeugs, das in der Ferne verschwunden ist.

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5 Gedanken zu „Ende eines Alptraums

  1. Das wäre wieder mal ein perfektes Bild für die von mir in der Schule gefürchteten „Bildbetrachtungen“, alles nach dem Motto „was wollte uns der Künstler wohl damit sagen“.
    Dabei habe ich dafür immer gute Noten bekommen, aber ich habe es gehaßt, weil es eine Unverschäümtheit ist einem Künstler unterzuschieben, was er mit einem Werk habe sagen wollen.

    Von den beiden angebotenen Wegen würde ich wenn ich es zu entscheiden hätte den oberen wählen (bekomme ich dafür jetzt eine Eins?).

  2. Ich hasse auch die Nachdichtungen von Gemaltem. Aber meinst Du den Überschall-Knall-Düsenjäger? Mangelhaft!

  3. Das war mir schon beim ersten Mal zu blöd, ich habe immer Sachen geschrieben, die mit dem vorgegebenen Bild meiner Meinung nach nichts, aber auch garnichts zu tun hatten. Denn, bei Beiträgen zur Sache geht es ja um den Sachverstand, und wer hat den schon?

  4. Dieser Blödsinn stammt überwiegend aus dem Deutsch-Unterricht, aber im Religions-Unterricht werden Bilder noch schlimmer mißbraucht. Da packen sie überall ihren Gott rein. Immerhin hat mich mal 1 Deutsch-Lehrer gefragt, wie man denn Bild-Analyse rational angehen könne.

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