Mehr Sauberkeit

Waesche-aufhaengen

In der Mitte des Kellers befindet sich eine Tür, die auf den grasbewachsenen Hinterhof und zu den Gärten führt. Im Früsommer 1954 hatte Frau von und zur Mühlen Wäsche gewaschen und dort zum Trocknen aufgehängt. Ob in Folge von Anstiftung durch die Bock oder aus eigener Kreativität, Schikane oder Schabernack, jedenfalls beschmutzte deren Hausgehilfin, Irmgard Ossenkopp, die Wäsche mit Kaffeesatz, vermutlich in dem sie jenen, direkt aus der Küche auf den Balkon tretend, auf die direkt dadrunter hängende Wäsche kippte. Dies löste bei der damals 56 Jahre alten Frau von und zur Mühlen aus verständlichem Ärger und Erregung einige Kraftausdrücke aus, und sie hätte dem 17jährigen „Irmchen“ am liebsten eine gelangt. Stattdessen fand im Juni des Jahres eine Sühneverhandlung vor einem Schiedsmann statt, in welcher sich die Parteien vorläufig versöhnen mußten. Die Kosten des Verfahrens wurden von beiden Parteien je zur Hälfte übernommen.
Doch ließ das die Bock nicht ruhen, und es kam immer wieder vor, daß Irmchen den Schmutz auf der Etagenplattform des Treppenhauses heimlich vor die Wohnungstür der Frau von und zur Mühlen fegte und Rita ihn dann heimlich wieder zurück vor die Tür der Bock.
Die Treppenhaus-Reinigung war genau geregelt: Jede der 2 Parteien einer Etage hatte im wöchentlichen Wechsel die zur Etage gehörenden 2 Treppen-Teilstücke und 2 Plattformen zu säubern. Dies gehört auch zu meinen Aufgaben: Zuerst nehme ich die beiden Fußmatten in der 2. Etage hoch und lege sie auf die 2. Stufe der nach oben führenden Treppe. Dann fege ich den Staub auf der Plattform zusammen, bewege mich weiter nach unten über das 1. Treppenstück zur 2. Plattform, am senkrechten Fensterband des Treppenhauses entlang, das 2. Treppenstück hinunter bis auf die Plattform vor der Bockschen Wohnung. Dann trage ich den Dreck auf dem Kehrblech zum vor dem Haus stehenden Mülleimer, der aus solidem Metall ist. Danach wickele ich einen nassen Feudel um den Schrubber und wische die gefliesten Plattformen und die mit Linoleum beklebten Treppenstufen. Mehrmals muß der Feudel ausgewrungen werden. Ist das rotbraune Linoleum trocken, aus dessen Resten ich später großformatige Linol-Drucke anfertigte, muß es eingewachst und gebohnert werden. Letzteres geschieht mit einem speziellen Bohner-Besen, der seine Borsten mit schwerem Gußeisen-Gewicht auf den Boden drückt. Läuft zwischendurch einer mit schmutzig-nassen Schuhen über die Treppe, geht die Prozedur wieder beim Feudeln los.

Illustration: Irene Diederichs-von Bergner

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