Synchronisation von Lebensläufen

neue-Uniformen

Hannover, den 1. April 1955
Der Niedersächsische Kultusverweser
An die Herren Direktoren der Pädagogischen Hochschulen
An die Herren Leiter der Staatl. Studienseminare
An den Herrn Vorsitzenden des Wiss. Prüfungsamts in Göttingen
An den Herrn Vorsitzenden des Päd. Prüfungsamts in Hannover

Betr.: Errichtung von Instituten für die Synchronisation auswechselbarer Lebensläufe

Mit dem bevorstehenden Beginn der Aufrüstung werden nicht nur den militärischen Dienststellen, sondern allen Bildungs-Einrichtungen, in Sonderheit den Pädagogischen Hochschulen, bedeutsame und neuartige Aufgaben gestellt, für die in der Vergangenheit keine vergleichbaren Lösungen zur Verfügung stehen. Um es kurz und eindringlich zu sagen, gilt es, die innere Aufrüstung der wehrfähigen Jugend zum Kernstück des neuzeitlichen Arbeits-Unterrichts zu machen, und sie durch Konzentration, Querverbindung und Differenzierung der Unterrichts-Fächer gegen alle Störungsversuche abzusichern. Die Wehrertüchtigung verlangt, daß bisher vernachlässigte und brachliegende seelische Schichten der Jugend aktiviert werden müssen. So werden nicht mehr wie in früheren Zeiten verkrustete Charakterbildung oder sture Grundsatztreue ins Spiel gesetzt werden können, sondern vielmehr Wendigkeit, innere Elastizität und hochgezüchtetes Anpassungsvermögen gefordert werden müssen.
Ich bin überzeugt davon, daß die erziehungswissenschaftlichen Lehrstühle meiner Pädagogischen Hochschulen zu gegebener Zeit mit theoretisch gesicherten und praktisch bahnbrechenden Publikationen hervortreten werden. Bis dahin jedoch kommt es darauf an, im kleinen zu beginnen und keine Gelegenheit zu versäumen, um das gesetzte Fernziel anzusteuern.
So hat es mich seit langem mit Sorge erfüllt, daß die mir von Studierenden, Referendaren und Junglehrern vorgelegten Lebensläufe diese Elastizität und Wendigkeit vermissen lassen und im Zustande einer kontinuierlichen Lebensauffassung und eines engstirnigen Berufs-Ethos stecken geblieben sind, die sich mit den Erkenntnissen der modernen metapsychologischen Forschung nicht vereinbaren lassen. Um die drohende Lebensuntüchtigkeit, die am Ende einer solchen Entwicklung stehen wird, zu überwinden, beabsichtige ich, an den Pädagogischen Hochschulen des Landes Institute zu errichten, in denen die Grundlagen für die zeitgerechte, auswechselbare und vollautomatisierte Abfassung von Lebensläufen zum Gegenstand der Forschung zu machen sind. Die notwendigen Planstellen werden im kommenden Haushalt herausgebracht. Sämtliche Kosten werden von den Überschüssen der neu gegründeten Niedersächsischen Treuhand-Gesellschaft für Charakterologie (NITREUCHA) getragen.
Als Modellform für die elastische Adaption von diskontinuierlichen Lebensläufen gebe ich folgenden Lebenslauf eines Deutschen aus „Heim und Welt“ zur Kenntnis und Beachtung: …

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