Grausamer Krieg

Weihnachtsgruss

Da sitzt ein „zuversichtlicher Atlantikkämpfer“ am heiligen Abend 1944 in der Falle und träumt von der „über alles geliebten Frau“: „… dann solltest auch Du, Geliebte, auf den Balkon treten, und unsere Blicke werden sich so am dunklen Himmel auf den glitzernden Sternen finden … Sie werden meine Gedanken wie eine silberne Brücke zu Dir tragen. Dann werde ich in meiner kleinen Kabine mitten in dem großen Bunker sitzen und bei weihnachtlicher Musik von Dir träumen …
Dein Hannes“

Obwohl Generalfeldmarschall Rommel schon am 15.Juli Hitler darauf aufmerksam macht, daß die Heeresgruppe B in der Normandie einen aussichtslosen Kampf führe, verbreitet die „Hamburger Illustrierte“ (Preis 20Pfennig) noch am 14.Dezember Hoffnung: Die eingekesselte Festung Lorient in der Bretagne widerstehe unter General Fahrenbacher im „Heldenkampf gegen eine vielfache Übermacht“. Brieftauben bringen Fotos in die Heimat. Die Seeseite des Kriegshafens wird von Sicherungsfahrzeugen der Marine gehalten, auf den Bunkerdächern wehren Flakstellungen Tiefflieger ab, im Gegenstoß werden Feindstellungen „leergefegt“, dem Feind „Panzer um Panzer im Nahkampf abgenommen“, auch die schwersten Feindpanzer von der Marine-Artillerie „eingeschmolzen“ und die Verpflegung grast ungefährdet vor den Bunkern.

Bunker-Lorient

In Wirklichkeit ist der Krieg so gut wie verloren. Nach der Invasion vom 6.Juni 1944 ziehen sich deutsche Kampf-Verbände in die U-Boot-Basen St.Nazaire und Lorient zurück. Lorient ist mit seinen U-Boot-Bunkern zwar weitgehend uneinnehmbar, vor allem aber nach der Niederlage im U-Boot-Krieg bedeutunglos, und die Soldaten, zu denen mein Vater als Leutnant einer Nachrichten-Abteilung gehört, pflanzen Kohl, den sie nicht mehr ernten können. St.Nazaire und Lorient kämpfen bis Kriegsende. Am 8.Mai 1945 erfolgt die endgültige Gesamtkapitulation und die U-Boot-Basen werden übergeben.

Falaise 8.44

Für meinen Vater beginnt die Gefangenschaft in 3 verschiedenen französischen Lagern, die erst 14Monate später, im Juni 1947 endet. In Vieh-Waggons werden die Landser zu ihren Lagern geschafft. Beim Aussteigen bekommt jeder von den Wachen rechts und links neben der Öffnung einen Kolbenschlag in den Rücken. Mein Vater stößt die Mulatten, die sich als besonders unfreundlich erweisen, vor die Brust und springt unversehrt aus dem Waggon. Sein später ausgedrücktes Bedauern, nicht von den Amerikanern gefangengehalten worden zu sein, trifft nicht ganz die Situation: Zahllose Kriegsgefangene werden unter offenem Himmel in amerikanischen Lagern wie Andernach und Bad Kreuznach zusammengepfercht, wobei noch Tausende sterben.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s