Eine Schande

Kaffeetafel-53

Hans Dobat
Regierungsrat
Hildesheim, den 25.10.1956

Sehr geehrter Herr Bürgermeister!
Ich werde Anfang der kommenden Woche nach Hamdorf kommen, um die Angelegenheiten meiner Mutter persönlich zu regeln. Ich werde mir erlauben, dann bei Ihnen vorzusprechen.
Vorweg möchte ich bemerken, daß meine Mutter voraussichtlich noch im Laufe dieses Jahres nach Nordrhein-Westfalen umgesiedelt werden soll und daß sie aus diesem Grunde ihren Wohnsitz bis zur Umsiedlung beibehalten muß. Eine polizeiliche Abmeldung von Hamdorf nach Hannover kann daher nicht in Betracht kommen. Wegen einer längeren Besuchsreise nach Hannover werde ich mit meiner Mutter sprechen.

Liebe Frieda!
Ich werde voraussichtlich am kommenden Dienstag in Hamdorf sein. Sorge bitte dafür, daß Mama sich nicht vorher polizeilich abmeldet, damit die Umsiedlung nicht gefährdet wird. Grüße bitte Mama und gib ihr diese Zeilen zur Kenntnis. Alles Weitere kann ich dann mit ihr persönlich besprechen. Kurt ist bereit, sie besuchsweise bei sich aufzunehmen. Mama kann dann gleich mit mir nach Hannover fahren.
Herzliche Grüße Euch Allen!
Euer Hans.

Hannover (6.12.56)
Lieber Hans!
Weshalb hast Du mich hierher gerufen und jetzt hast Du in Deiner großen Wohnung keinen Platz für mich? Ich hätte im Altersheim gehen sollen, das wäre das beste gewesen. Nun möchte ich noch eine Aussprache mit Dir haben wollen. Hier kann ich nicht bleiben.
Herzlichen Grüße
Euch allen von
Mama und Oma.
Zurückfahren kann ich doch nicht, daß wäre doch eine Schande für Dich. Was soll nun werden?

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