Geschenke zur Konfirmation

Geschenke-62

(1962): Glückwunschkarten, Gesangbücher, Bibeln, Uhren, schöne Schuhe in allen Preislagen, Blumen, Bestecke („das begehrte Geschenk für junge Menschen“), Glas, Porzellan, Silberwaren, Kunstgewerbe, formschöner Schmuck, Poesie-, Foto- und Buchalben, Schreibmappen, Füllhalter-Garnituren, Buchhüllen, Briefpapier, Kugelschreiber in allen Preislagen, Tafel- und Raumdekoration, Necessaires, Brieftaschen, Geldbörsen, Lederhandschuhe, Kollegmappen, Lederkoffer, Nagelpflegeetuis, Schmuckkästchen, preiswerte Kameras, Scheren- und Nähetuis, Taschenmesser.
Anstatt mir mal eine ordentliche Gaspistole zu schenken, bekam ich vom „Tantchen“ aus Masendorf einen Reisewecker und von meinen Eltern das edle Buch „Europäische Malerei – vom Impressionismus bis heute“, nach dem ich – wie Henri Rousseau – eifrig zu kopieren begann, und das es sogar bis zum Äquator geschafft hat. Auch interessierten mich die Akt-Bilder. Auf dem Foto betrachte ich gerade van Goghs „Selbstbildnis“ von 1889 und Rousseaus „Schlangenbeschwörerin“ von 1907. (Was macht die Kuh auf der Gardine?)

Henri-Rousseau

Der Autodidakt Henri Rousseau (1844-1910) mußte sein Geld als Zoll-Beamter verdienen und reiste niemals weiter als bis zum botanischen Garten. Seine Gemälde wurden zeitlebens vom Publikum verachtet. Trotzdem erklärte er Picasso selbstbewußt: „Ich bin der größte Maler im modernen Stil, und Du im ägyptischen.“

van-Gogh-1889

Dieses Selbstporträt malte Vincent van Gogh (1853-90) kurz vor seiner Selbsttötung in der Irrenanstalt („The sadness will last forever.“). Es vermittelt auch nicht gerade Hoffnung auf eine Karriere als freischaffender Maler. Doch hatte mich die Kunst da schon gepackt.

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5 Gedanken zu „Geschenke zur Konfirmation

  1. Pingback: Zur Fotografie eines Konfirmanden | Memoiren eines Waldschrats

  2. von Vincent van Gogh weiß ich einiges. Ist auch alles sehr interessant. Aber wird nicht zu viel Aufhebens um ihn gemacht? Das Buch, dann der Film, wahrscheinlich kommt es daher. Jedenfalls, er hat sich nicht in der Irrenanstalt erschossen, sondern irgendwo auf einem Feld, das weißt Du sicher selber, er hat das Selbstporträt in der Irrenanstalt gemalt, kurz vor seiner Selbsttötung auf dem Feld. Ich war schon zweimal an seinem Grab, das erste Mal bin ich sogar von Stuttgart ganz zu Fuß hingepilgert, bis nach Auvers-sur-Oise. Ich hatte aber eigentlich ein anderes Ziel. Die Van-Gogh-Gräber lagen halt auf dem Weg. Ich hatte mich für Van Gogh interessiert, weil ein Freund sich für ihn interessiert hatte. Es war wunderbar, ich bin gegen 4 Uhr morgens am Friedhof angekommen und konnte den Sonnenaufgang dort erleben. Wahnsinn. Die Kirche, die er gemalt hat, konnte ich kurz vorher noch nachts im Dunkeln sehen, sie wird von Scheinwerfern angeleuchtet. Das sah noch schöner aus als auf seinem Bild. Subjektiv gesehen. Ich mag halt keine Selbstmörder. Theo sollte verherrlicht werden! In Basel, wo ich mal wegen einer Van-Gogh-Ausstellung war, haben mir auch die Bilder aus dem Mittelalter einen Stock tiefer sehr viel besser gefallen. Da kommt die Kunst noch von Können. ;o)

  3. DIE Tour hätt ich auch gern gemacht, aber wahrscheinlich ist sie heutzutage von japanischen Touristen überlaufen.
    Wie Theo sich um seinen Bruder gekümmert hat, ist rührend, aber er hat nun mal keine großartigen Bilder hinterlassen. Zwar gibt es auch grottenschlechte Gemälde von Vincent, aber eben auch die, die vielen nach ihm die Augen geöffnet haben. Die wilde Pinselführung und die Farbe Gelb in seinen Bildern mag ich ebenfalls. Selbst der Film gefiel mir, obwohl Kirk Douglas in der Rolle viel zu sympathisch wirkt. Vincent war wahrscheinlich ein unerträglicher Zeitgenosse in seinem Wahn, und er hat selber darunter gelitten. Einer, der keinen Ausgleich zwischen Euphorie und Depression finden konnte – um den wir uns ja ständig bemühen müssen. Hast Du seine Briefe gelesen? „Anstatt also dem Heimweh zu erliegen, habe ich mir gesagt, daß die Heimat überall ist, statt mich in Verzweiflung geraten zu lassen, habe ich die tätige Melancholie erwählt für soweit, wie ich imstande war, mich zu betätigen, oder, mit anderen Worten, ich habe die Melancholie, die hofft, die strebt und die sucht, derjenigen vorgezogen, welche stillstehend verzweifelt.“
    Was die mittelalterlichen Bilder betrifft: Die mag ich auch, sehe aber ganz andere Voraussetzungen. In jener Zeit gehörten die Künstler zur Zunft der Handwerker, die eng gefaßte Aufträge auszuführen hatten. Van Gogh war dagegen das mit sich selbst beschäftigte Individuum, das von keiner Gesellschaft mehr getragen wird. Die populäre Definition, Kunst komme von Können, macht auch den Kampfhubschrauber-Piloten zum Künstler. Da erwarten wir heutzutage in der Bildenden Kunst doch etwas mehr Substanz.

  4. Substanz ist, wenn es dem Künstler schlecht geht? Die Briefe werde ich mal alle lesen, wenn ich dazu komme, ein paar hab ich schon durch. In einem Asterixheft hat Uderzo mal von Kirk Douglas geschwärmt, ich glaube das ganze Heft ihm gewidmet, „einem der größten Schauspieler unserer Zeit“ oder „aller Zeiten“ oder so ähnlich, das war sicher wegen dem Van Gogh-Film! Nehme ich an.

  5. Es muss dem Künstler nicht schlecht gehen, aber in der Regel kann er ohne Auftrag nicht wirtschaftlich überleben.

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