Western

Yellow-Sky

Als mich die Pubertät fest im Griff hatte, und die Auseinandersetzungen mit meiner Mutter immer heftiger wurden – mein Vater war meist nicht anwesend – griff ich mir manchmal mein Sparbuch und wollte abhauen. Da ich als Einzelgänger nicht wußte wie und wohin, landete ich stattdessen regelmäßig in einem Katakomben-Kino in Hildesheim mit dem Namen „City“, in dem die ganze Palette der erfolgreichsten amerikanischen Western gezeigt wurde. So lernte ich die Entwicklung des Genres von Indianer-Hasser-Filmen bis zu gesellschaftskritischen Ansätzen kennen und schätzen. Später liefen sie auch im TV, aber ich hatte keins. Außerdem war das Erlebnis im dunklen Raum mit Cinemascope und Stereo nicht das gleiche wie vor der Glotze. Ich genoß nicht nur die Action-Szenen sondern auch die Infrastruktur, die ja in den späteren Italo-Western fehlte. „Yellow Sky“ (1948) zeigte die Psychologie von Außenseitern, aber auch Bilder der Natur und das Verhalten der Menschen zu ihr. Vom Leben in und mit ihr bis zur Zerstörung klang in diesen Filmen schon alles an, was mir später wichtig werden sollte. Wenn ich deprimiert den Ort der Träume betrat, so kam ich hinterher, nachdem sich der meist einzelgängerische Fremde durch den Westen gekämpft hatte – oft in Opposition zu einer Gruppe – doch mit gehobenem Selbstbewußtsein und optimistischer wieder heraus. Eines Tages würde ich meine eigene Ranch und eine Indianerin besitzen. Und so kam es dann ja auch – nach langem Kampf.

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3 Gedanken zu „Western

  1. Damit man weiß, was man da geguckt hat, hat der hinterfragende 68er natürlich in der Fachliteratur nachzuschlagen, ob das Gesehene auch dem Klassenkampf dient.
    LOL
    Mir gefällt der Artikel ja.
    Vielleicht macht der Satz „Eines Tages würde ich meine eigene Ranch und eine Indianerin besitzen. “ den Blog jetzt gar weltberühmt?
    Eine Stampede von pc-Wächtern wird losbrechen.

  2. Genau das! Entsprechende Stellen hab ich auch – im Zusammenhang mit einem anderen Western – schon gefunden.

  3. Pingback: Stage to the City | Memoiren eines Waldschrats

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