Naturzeichen

mit-Knochen-66

Aus Frankreich bringe ich mir Knochen und Wurzeln mit, die zu Motiven meiner Bilder werden. So weit habe ich die „Naturzeichen“ von Heinz Burkowitz inzwischen doch verinnerlicht. Mein Kunsterzieher Wolfgang Knipper empfiehlt mir, mich mit einer meiner Federzeichnungen 1966 an der Ausstellung des Bundes Bildender Künstler in Uelzen, der Stadt der Zuckerrübe, zu beteiligen, obwohl ich nicht Mitglied bin. Kunsthistoriker Dr. Volkmar Köhler weist in der Eröffnungsrede auf die Sinnlosigkeit der Versuche der Ewiggestrigen hin, die Zeit und Entwicklung zurückhalten möchten, zitiert Herders Postulat, „daβ der Künstler ein Prediger der ‚Tugend‘ seines Zeitalters zu sein habe“, und daβ wir seit Sigmund Freuds Zeiten wüβten, „aus welchen Schichten die vermeintlich klar beherrschte Einheit des Individuums besteht“. Nicht mehr die Wiedergabe, sondern ein Sein würde verkörpert. „Es lebe das Leben!“ wie die Dadaisten aufschrien. Und daβ sich unsere Erlebnisdimension ÜBER DEN ERDBALL ausweite, „dabei die Dinge unserer Umwelt simultan zusammentreten und über ihren Eigenwert hinaus einen neuen Zusammenklang bilden“. Meine Federzeichnung heiβt „Snake-Pit“. Mein Opa und „Tantchen“, seine Schwester, kommen auch.
Bemerkenswert war, daß ich gerade an der Zeichnung arbeitete, als uns Knipper mit seiner hübschen Frau besuchte. Ich wollte den unteren Bereich noch vollwuseln, aber die beiden meinten, ich solle einfach aufhören und den Platz freilassen. Das stimmte und wurde mir erst in dem Moment bewußt: Man muß auch mal aufhören mit dem Wuseln.

BBK-Uelzen-66

Ausstellendes Mitglied der Jury, die „sehr streng geurteilt“ hat, ist u.a. der Uelzener Maler Ernst Pingel (1907-79), der mit seinem Kunstharz-Bild „Süchtiger“ rechtzeitig vom Pferde-Sujet zum Zeitgeist übergelaufen ist. Auch sonst findet man in solchen Gruppen-Ausstellungen immer wieder Nachahmungen dessen, was in der Kunst-Szene gerade anerkannt ist: Ein Klee? Ach nein, nur ein Klaus Wilhelm! Die Möglichkeiten, Originelles zu entwickeln, werden leicht überschätzt, das läßt sich auch in der neuen Musik hören.

Pingel-Suechtiger

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4 Gedanken zu „Naturzeichen

  1. Eine Idee beim Malen heute brachte mich auf Ernst Pingel, der in der Diele meines Elternhauses die Decke gemalt hat.

    Somit suchte ich nach ihm und möglichen Funden im Internet . Und was finde ich, mein „Tantchen“. Ein wunderschönes Bild von ihr . Leider geling es mir nicht, dieses Bild zu kopieren.
    Vielleicht habe ich Glück mit diesem Kommentar an dieses Bild zu bekommen ?
    Lang lang ist es her!
    Ina Gade

  2. Pingback: Plattfüßige Ziege im Regen | Flaschenpost

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