Abstrakt oda nich

Arnold-Fritz-64

Mein Kunsterzieher Arnold Fritz (*1907 Berlin), der auch mit einer „Komposition“ in Uelzen dabei war, ein gutmütiger Mensch, hatte 3 Eigenarten: Zuerst zeichnete er das Unterrichts-Thema meist sehr witzig an die Tafel und wischte es zu unserem Bedauern wieder weg. Dann nahm er einen Pott mit Deckweiß und klatschte jedem eine Ladung auf den Mischdeckel des Tuschkastens. Was bedeutete: Daß mir ja keiner ungemischte Farben benutzt! Während wir malten, erzählte er endlos Geschichten – niemand hörte zu – bis wir so laut wurden, daß er es nicht mehr aushielt. Dann brüllte er eine Weile, bis wieder alle mucksmäuschenstill waren. Danach erzählte er weiter – und der Geräuschpegel hob sich erneut. An der Kunsthochschule nannte man solche Leute „Malschweine“. Die Oberfläche der Leinwand sah vom mehrmaligen Übermalen meist wild-wurstig aus, notfalls mischte man noch Sand in die Farbe. Sowas macht dem Malenden am meisten Spaß, dem Betrachter weniger.

im-Museum

Auch meinem Vater nicht. Wenn er mich hier trotzdem vor einem tachistischen Gemälde in der Landesgalerie Hannover fotografierte, dann wohl hauptsächlich, weil mein Schlips gut dazu paßte. Als ich so (unten Kordhose) in der 1.Tanzstunde erschien, forderte der Tanzlehrer, der völlig aus Gummi war: „Kaufen Sie sich mal einen Anzug!“

Ich befand mich (bis heute) im Widerstreit zwischen rauschhaft-experimenteller Malerei und objektbezogener, langwieriger Pfriemelei. Ein neuer Realismus tauchte auf, und die Pop-Art zeigte bisher unbeachtete Themen, die mich interessierten.

LM-Hannover

James Ensor (1860-1949): „Blumenstilleben mit 3 Totenköpfen“, 1889, Landesgalerie Hannover

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