Frankreisch 2

Peira-Cava

2 Wochen im Lager Peira-Cava in den französischen Alpen, 2 Wochen St.Tropez, wo ich an Brigitte Bardots Hängematte und der Yacht von Gunther Sachs vorbeisegelte. 1966 erlebte ich den schönsten und abwechslungsreichsten Aufenthalt in einem deutsch-französischen Jugendlager:

Herrn Postrat a.D. Ernst Lackner
Hildesheim

2.7.66
Lieber Opa!
… Wir haben im Vorbeifahren die ganze Blumen-Riviera gesehen, sogar das Kriegsschiff an der Grenze, von dem Du mir erzählt hattest. Das Wetter ist hier in 1500m Höhe herrlich. Allerdings sind wir noch von der anstrengenden Fahrt sehr müde. Die Belegschaft beträgt 52 Personen. Die Wohnverhältnisse sind sehr gut. Da es unter Umständen sehr lange dauert, bis die Post von hier erst einmal nach Nizza und dann nach D kommt, möchte ich Dir jetzt schon zum Geburtstag gratulieren.

19.7.66
Lieber Opa!
Ich befinde mich jetzt im Lager La Foux (Cogolin-Plage, St.Tropez). Wir hatten ausgezeichnetes Wetter bis jetzt. In den letzten Tagen machte uns der Mistral zu schaffen. Auf dem Campingplatz entstanden 2 größere Brände. Wir segeln und tauchen in der Bucht. Dabei habe ich schon hübsche Fische und Tangwälder gesehen.

St.Tropez-66

Liebe Mutti, lieber Papi!
… In Peira-Cava haben wir 3 herrliche Bergwanderungen gemacht (bis 1800m hoch). 1 Film habe ich allein in den Bergen verknipst (Bunker und zerschossene Schilder). Das Lager war schön, aber das einzige Interessante die Tageswanderungen. Sonst konnte man dort versauern. Während die Aktivitäten des vorigen Lagers durch die Berge bestimmt wurden, ist es hier das Meer: Wasserski, Tauchen von einer Barkasse aus, Segeln und Fischen. Wir sind gestern Abend angekommen, haben heute Vormittag gebadet, jetzt ist Siesta, und nachmittags gehen wir nach St.Tropez. Mir gefällt es hier sehr gut. Das Lager ähnelt einem Safari-Lager im Urwald. Allerdings besteht der Urwald aus Zelten. Das Meer ist 3min (für schnelle Geher) entfernt. Als ich gestern Abend zum ersten Mal auf mein Feldbett sprang, brach ein Fuß ab, und ich verbrachte die Nacht in Schräglage. Meine Decke hatte ein Loch, aus dem ich einen Fuß halten konnte.

21.7.66
…Der Aufenthalt in Frankreich endet langsam. Augenblicklich haben wir hier einen scheußlichen Regen. In den Zelten ist es ganz gemütlich, solange die Betten nicht wegschwimmen. Zum Klo (75m Entfernung) geht man nur in höchster Bedrängnis. Gestern bin ich zum ersten Mal Wasserski gefahren. Es war herrlich. Für einen Anfänger habe ich meine Sache recht gut gemacht. Nach einem verpatzten Start bin ich im 2.Versuch eine ganze Weile mit einer verrückten Geschwindigkeit in der Bucht von St.Tropez herumgerast. Bis dann ein empfindlicher Sturz meine Laufbahn beendete. Bei einem 2.Wasserstart verlor ich einen Ski und ging wiederum baden. Als ich zurück an Bord klettern wollte, war ich so erschöpft, daß ich es erst beim 2. Mal schaffte. Wenn es noch einmal aufhört zu regnen, werde ich diesen Sport weiter versuchen. 2x habe ich schon getaucht und 2x gesegelt. Beim letzten Mal Tauchen war es aber entsetzlich kalt, denn der Mistral wehte wieder einmal sehr stark. Beim Tauchen verliert man sehr viel Wärme. Beim Segeln bediene ich meist das Fock-Segel und muß auf die Anordnungen des Steuermanns achten. Alles macht sehr viel Spaß. Zwischendurch gehen wir ganz gewöhnlich Schwimmen und spritzen die Mädchen naß.

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