De Gaulle und ich

deutsch-national-69

„Der politische Zusammenschluß Europas indessen hat nicht nur keine Fortschritte gemacht, es ist offensichtlich Sand ins Getriebe geraten, die Blütenträume sind verwelkt. Der französische Staatschef de Gaulle … geht nicht ab von seinem Konzept, das in Wirklichkeit auf den französischen Führungsanspruch der vergangenen Jahrhunderte hinausläuft.“ („Lahrer Hinkender Bote“, 1968)

Befragter-4.69

„Der Abtritt des französischen Präsidenten bewegt die Braunschweiger“, druckte das Braunschweiger Stadtblatt am 29. April 1969 fett als Aufmacher und zitierte Leute, die der Reporter zufällig auf dem Marktplatz angesprochen hatte – u.a. mich. Ich war kein echter Braunschweiger sondern studierte nur gerade an der dortigen Kunsthochschule. Außerdem hatten mich französische Abtritte nie sonderlich beunruhigt. Sie sehen aus wie indonesische Aborte, doch mit Papier, was eigentlich überflüssig ist. Obwohl selbst die heilige Jungfrau Frankreich zu ihrem bevorzugten Auftrittsort gewählt hatte, war mein Bedarf gedeckt, und ich hoffte, daß alle französischen Reaktionäre, die preußischer als Preußen sein können, im Mai 68 ihr Fett bekamen. „Es war höchste Zeit, daß der General abtrat. Jetzt kommt es nur darauf an: Wer wird der Nachfolger?“ werde ich in dem Artikel zitiert, und mein Kommilitone Thomas Klein, der 3.Mann in unserer Bunstift-Mafia, mit: „Da wird sich nicht viel ändern!“ Ich bin sicher, wir wußten mehr zu sagen, aber diese Schreiberlinge sind ja Meister der Verkürzung.
Ein Mann wie de Gaulle, zusammen mit Konrad Adenauer einer der „Väter der deutsch-französischen Freundschaft“, wäre in D nicht möglich gewesen, doch hat man in Frankreich einfach immer weitergemacht mit den glorreichen Schweinereien, und sie hatten auch die schöneren Massenmörder. Es war schon enttäuschend, wenn aus den „Revolutionen“ nichts wurde, doch besonders deprimierend empfand ich es, wenn Gleichaltrige Positionen wie Greise einnahmen. So wie dieser junge Franzose aus wohlhabendem Hause, den mein Vater zufällig in Hannover aufgelesen hatte (Er mochte Frankreich immer noch – trotz seines Lageraufenthalts mit Überlänge.). Mit diesem Burschen konnte ich mich zwar gut verständigen, doch kamen wir auf keinen gemeinsamen Nenner. Deshalb nahm ich im „Panorama“ in Hildesheim lieber die Tisch-Dekoration auseinander – weshalb ich auch aus so manch deutscher „gutbürgerlicher“ Gaststätte gewiesen wurde. Doch war ich da inzwischen schon Waldschrat geworden und nun wirklich nicht mehr artig.

Panorama-Hildesheim

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