Einflüsse

Mecki-im-Schlaraffenland

„Hieraus, meine Lieben, könnt ihr erseh’n, wie sehr ich mich im Traume zu meinen Ungunsten verändert hatte, indem ich es wagte, so frech und leichtsinnig einen Gedanken auszusprechen, den ich im wachen und kompletten Zustand doch lieber nicht äußern möchte … Nämlich die Bewohner dieses unwesentlichen Landes sind hohl. Es scheint Sonne und Mond hindurch, und wer hinter ihnen steht, der kann ihnen mit Leichtigkeit die Knöpfe vorn an der Weste zählen. Einer durchschaut den andern; und doch reden diese Leute, die sich durch und durch kennen, die nicht so viel Eingeweide haben wie ein ausgepustetes Sperlingsei, von dem edlen Drange ihres Inneren und sagen sich darüber die schönsten Flattusen.“

Am Anfang steht tatsächlich „Eduards Traum“ von Wilhelm Busch, und zwar diese Stelle: „Wohl zehn Meter schwebt‘ ich nun über einem regelmäßig karierten Ackergefilde, in dessen Mitte ein freundliches Dörfchen lag.“ Meine erste Buntstift-Zeichnung enthielt solch einen Schachbrett-Acker inmitten hügeliger Landschaft. Jene zeichnete ich von nun an rundlich, wie ich es von Reinhold Eschers „Mecki im Schlaraffenland“-Illustrationen her kannte. Mein Lieblingsbuch überhaupt. Ich benutzte auch Fotos von Fressalien, die irgendwie zu Atompilzen werden konnten. Das war nun meine morbide Märchenwelt, in die ich hinein wollte. Das Ziel war nicht die Kunst sondern das Leben. Je mehr LSD dazu kam, um so wuseliger wurden die Zeichnungen. Voller glühend herumschwirrender Partikel. Nach 4 Jahren hatte ich genug von diesem erfolgreichen Manierismus und gab ihn ganz auf.

mit-Champignon 69

Daß ich an der Kunsthochschule nichts lernte, stimmt nicht ganz. Während mein freundlicher Professor für Freie Grafik, Malte Sartorius (*1933 Ostpreußen), später auch zum Buntstift griff, ohne unserer Buntstift-Mafia anzugehören, sah ich großartige Arbeiten älterer Semester, und ich habe es bedauert, nicht die Klasse von Siegfried Neuenhausen (*1931) gewählt zu haben, der in jener Zeit anfing, seine unverbindliche Pop-Art in beeindruckend gesellschaftsbezogene Plastiken zu transformieren. Ebenfalls äußerst interessant waren seine Projekte mit Strafgefangenen und Geisteskranken. Aber ich hätte dazu ausschließlich in den Werkstätten der Hochschule arbeiten müssen. Und wo bringt man dann die Monstren unter, die man dort schafft, und wie transportiert man sie? Außerdem war die Arbeit in Bildhauer-Werkstätten meist ziemlich ungesund. Nicht nur der Staub, auch die aufkommende Polyester-Technik beschädigte einige Künstler wie Duane Hanson (1925-96).
Menschlich kam ich ebenfalls weiter, wobei mir u.a. Ursula, Brigitte, Angela und Helga halfen. Und nicht zu vergessen der Meisterzeichner Ulrich Ploetze.

Vater-knipst

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