Lomers 1. Brief

Tiere

„Mache Dich auf, werde Licht!“

Zur Einführung unterscheidet Lomer zwischen Tier und Mensch: „Die Grenzescheide zwischen Tier und Mensch, mein Leser, führt in Wahrheit mitten durch die heutige Menschheit hindurch. Du brauchst Dich nur umzusehen, um diesen Satz bestätigt zu finden. Du siehst Füchse und Schakale, Geier und Pfauen, Raubkatzen und Kühe, – aber wenig Menschen. Du siehst diese Tiere mit allen Tierinstinkten, durch alle Gesellschafts-Klassen, in allen Berufen, es gibt da äußerlich keine Scheidung. Du siehst sie zuweilen in Ehren- und Machtstellungen und wunderst dich dann nicht mehr, warum so mancherlei Gerichts- und Geschäftspraxis einem Verbrecheranschlag, warum die ‚hohe‘ Politik gar so sehr einem Narrentanz gleichen. Prüfe die Motive und du findest – das Tier.“
Was den Menschen ausmache, sei der „Geist“, der in jedem seiner Einzelgeschöpfe vorhanden sein muß. Dieser Geist habe ein, unter gewöhnlichen Umständen unsichtbaren, „fluidischen oder feinstofflichen, zweiten Leib des Menschen“ geschaffen, der „von neueren Forschern, wie Dr. von Schrenck-Notzing, Grunewald, Dr. Geley und anderen“ beobachtet und lichtbildlich festgehalten worden sei. Tritt dieser fluidische Leib (im Tode) aus dem physischen Körper, kann er hellsichtigen Menschen sichtbar werden. Seine ungeheuer starken Kräfte befinden sich in den mit gewaltiger elektrischer Energie geladenen roten Blutkörperchen: „Hauptsammel-Speicher aber sind die Hoden, beim Weibe die Eierstöcke“.
Der Mensch besitze nun die Möglichkeit mittels dieser Kraftzentren und seiner Denkkraft in höhere Lebens- und Wirkungskreise aufzusteigen, um mit der „Weltseele“ in Verbindung und letztlich zu „reiner Erleuchtung“ zu gelangen. Diese höchste Wahrnehmungs- und Wissens-Erweiterung beruhe „auf raschesten Schwingungen des Urätherstoffes“. Die Aktivierung eines „Göttlichen Genius“ führe zu kosmischem Bewußtsein, plaziert im zentralen Teil des Gehirns im Mittelpunkt des Kopfes.
Die anzustrebende Wiedergeburt sei nur über „die Leiche des alten Ich“ zu erreichen: „Hast du den Ruf vernommen? Prüfe dich. Es geht um ernste Dinge.“ Nämlich um nichts Geringeres als den „Gottmenschen“, den „adligen Lebenskämpfer“ in dir will Lomers Lehrgang bewußtmachen. Der Genius läßt sich nicht in jeden herabzwingen, „sondern wählt sich selber seine Stätte“.
Rein methodisch sollte man zu niemandem über Lomers empfohlene Übungen sprechen, um keine Kraftströme zu verlieren. Zu den Grundregeln der 1. Stufe gehören: Alkohol, Nikotin und jede Form der Geschlechts-Befriedigung meiden! Als Geduldübung rät Lomer, eine tüchtige Hand voll gelber Erbsen im Raume zu verteilen und sie kniend wieder aufzusammeln. Neben Stillsitz-Übungen gilt es auch die „Selbst-Steinigung“ durchzuführen. Darunter versteht Lomer laut vorgetragene Selbstkritik mit scharfen, harten Ausdrücken. Hilfreich seien dabei die grafologische Charakter-Analyse und das Handlesen durch gute Chirologen. Notfalls über einen Tinten-Abklatsch der Hand-Innenfläche nebst Fingern. Gute Grafologen und Handleser (wie Lomer) haben nicht nur besondere Eignung sondern auch ein vieljähriges praktisches Studium absolviert.
Vor dem Schlafengehen nehme man eine Reinigungs-Waschung vor: „Wie jetzt das Wasser allen Leibesschmutz fortnimmt, so reinigt mein Wille mich von allem Schmutz der Seele! Jeden Tag mache ich Fortschritte!“

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2 Gedanken zu „Lomers 1. Brief

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